Molenbeek ist ein Bezirk der Belgischen Hauptstadt Brüssel. Mindestens einer Attentäter und der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Anschläge kommen aus dem Stadtteil. Sie sind nicht die ersten islamistischen Attentäter aus dem Viertel. DRadio-Wissen-Reporterin Jenny Genzmer war vor Ort.

Bei mehreren Razzien haben Einsatzkräfte heute nach Beteiligten an den Anschlägen von Paris gesucht - und zwar im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Eine Spur in einem Mietwagen vor dem Club Bataclan hatte auf den Brüsseler Bezirk Molenbeek hingewiesen. Einer der Pariser Selbstmord-Attentäter, der Franzose Brahim Abdeslam, lebte hier. Nach seinem Bruder Salah wird gefahndet.

Mehrere Anschläge mit islamistischem Hintergrund werden mit Molenbeek in Verbindung gebracht:

  • Einer der Hintermänner der Anschläge von Madrid 2004 hat hier gelebt.
  • Ein Attentäter, der an den Anschlägen auf die Charlie-Hebdo-Redaktion beteiligt war, soll hier Waffen gekauft haben
  • das gleiche gilt für Mehdi Nemmouche, der 2014 in Brüssel mehrere Menschen tötete
  • der Attentäte, der im August einen Anschlag im Thalys verüben wollte, der aber vereitelt wurde, hatte Kontakte in das Viertel

Andere Welt mitten in Brüssel?

Am Tag der Razzien sind in Molenbeek viele Journalisten unterwegs - auch unsere Reporterin Jenny Genzmer. "Es ist eine merkwürdige, eine skeptische Stimmung“, sagt sie. Viele Menschen sagen ihr: Sie sind froh in Molenbeek, aber unglücklich mit den sozialen Umständen. Und sie befürchten, dass die Verbindung zu den Terroristen für immer als Stigma an ihrem Viertel haften wird. Im Interview erzählt ein Juwelier, er schaut kaum mehr Nachrichten. Er fühle sich wohl in Molenbeek und verstehe sich gut mit seinen Nachbarn.

Auf den ersten Blick sieht Molenbeek gar nicht aus wie ein Problemviertel: Es gibt keine riesigen Hochhausburgen. Stattdessen Gründerzeithäuser, die jedoch ihre besten Jahre hinter sich haben. Ein alternativ, studentisches Viertel ist direkt nebenan. Nur fünf Minuten von diesem Studentenviertel entfernt, beginnt eine andere Welt, sagt Jenny Genzmer.

Stigma: Terrorismus

Rund 40 Prozent aller Bewohner Molenbeeks sind Muslime. Im Vergleich zum Rest Belgiens ist die Bevölkerung verhältnismäßig jung: Der Altersdurchschnitt liegt bei 34 Jahren. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei über 40 Prozent, viele Kinder und Jugendliche gehen nicht zur Schule.

"So eine Situation ist ein Nährboden für Menschen, die diese Umstände ausnutzen wollen", sagt Jenny Genzmer. Und nicht nur in Molenbeek. Etwa 500 islamistische Kämpfer, die nach Syrien gereist sind, stammen aus Belgien, schätzen Sicherheitsbehörden. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind das so viele wie in keinem anderen Land der EU.