Drei Bands vor 250 Leuten. Die Tickets geschenkt. So war der Abend des 3. Advent im Kölner Kammermusiksaal. Denn am 3. Advent kann man nicht nur eine einzige Band auf die Bühne stellen.

Da müssen wir schon in der Zahlen-Analogie bleiben. Nach drei Wochen Warm-Up endlich das Aufeinandertreffen der drei Bands aus den unterschiedlichsten Ecken des Landes. Keine Competition, sondern ein Abend voller Ergänzungen.

Me And My Drummer

Tagsüber hatte Sängerin und Songwriterin Charlotte noch Vollgas gegeben im Interview mit Paulus Müller. 1. „Wir sind Geschwister und waren mal ein Paar“, 2. „Frauen werden immer noch benachteiligt im Musikbusiness“. SO! Den Mythos um ihr Verhältnis zu Schlagzeuger Matze hat sie dann auf der Bühne auch gleich nochmal aufgegriffen und mit diversen Songs illustriert. Thema: „Unerwiderte Liebe“. Das Staunen über so viel irreführende Direktheit verbindet sich mit dem Staunen über die Performance der beiden Berliner.

Wie sie nur mit Schlagzeug und Keyboard bzw. Gitarre solch einen dichten und abwechslungsreichen Sound hinkriegen, ist echt ein Rätsel. Sängerin Charlotte fliegt mit ihrer Stimme durch alle Lagen und legt mit ihren Keyboards wahlweise spacige Bässe oder schwerstens reibende Flächen. Matze am Schlagzeug macht nicht nur Groove, sondern vor allem Dynamik. Vom epischen Breitwand-Schlagzeug bis zum beinahe flüsternden Erzähl-Ton hat er alles Mögliche in den Fingern. Am Ende des Konzertes bleibt ein einfaches Wort, mit dem auch die erste Bühnen-Moderation begonnen hatte: „Na?“ Im Sinne von: „Was sollen wir groß erzählen? Geiler Raum, geile Band, und ein Publikum, das versteht.“ Ein selbstbewusstes Opening einer außergewöhnlichen Band.

KYTES

Die Jungs sind in Feierlaune angereist. Vor dem letzten Konzert des Jahres haben sie gerade den „New Music Award“ abgeräumt, der sie als beste Nachwuchsband des Landes auszeichnet. Vergeben wird der Preis von den Jugendsendern der ARD. Hey, und dieser "Jugendsender" DRadio Wissen findet KYTES auch ziemlich gut. Wie könnte man auch nicht?

Die vier Münchner liefern einen potenziellen Radio-Hit nach dem anderen. Dass sie sich dessen bewusst sind, wird auch schnell klar: "Schiebt die Stühle zur Seite", sagt Sänger Michael zu den 250 DRadio Wissen-Hörern im Saal. Und keiner wird sich im Verlauf der nächsten 45 Minuten wieder hinsetzen. KYTES haben den Happy-Groove, der sich durch alles hindurchzieht, was sie mit ihren beiden Gitarren, dem Bass und dem tighten Schlagzeug-Shuffle treiben. Zwar kann Frontmann Michael auch feinsinnig hoch singen, aber die meiste Zeit ist er der Anheizer, der mit seiner rauen Stimme ganz klar macht, dass man hier jetzt bitteschön abzugehen habe. Das Publikum tut’s und singt sogar mit. Genügend "Oh-ho-hos" haben die Songs der Band dafür schon eingeplant. Als dann zum Schluss-Song auch noch die weihnachtliche Lichterkette über der Bühne angeht, sind alle völlig eins mit KYTES. Eigentlich kann der Abend an der Stelle schon enden, aber dann …

Sparkling

Drei Studis aus Köln mit dem Auftrag, jetzt noch einen drauf zu setzen. Zu viel des Leistungsdrucks nach der Vorarbeit der beiden wesentlich erfahreneren Bands? Zumindest lassen die drei Schulfreunde nicht den Hauch von Nervosität erkennen. Der erste Akkord ist kein gemeinsamer Einsatz, sondern eher ein punkmäßiges Geschrammel, das uns sagt: "Hier sind wir! Alle Kabel sind gesteckt! Und wenn Ihr glaubt, dass wir uns in einem Kammermusiksaal zurückhaltender verhalten als sonst, dann habt Ihr Euch gründlich getäuscht!“

Die Jungs stehen im Dreieck: Levin und Luca an der Bühnenkante Leon hinten im Zentrum. Sie bewegen sich auf der Bühne wie Boxer im Ring – Revier abstecken und keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie die Größten sind. Ein komplettes Album haben sie noch nicht am Start, aber ihre Songs machen klar, dass hier ganz viel Übersicht und Sinn für Details am Start sind. Taktwechsel, Stops und Schlagzeug-Infernos wechseln sich ab mit dem beinahe rapartigen Gesangsstil von Levin. Abspacken deluxe! Und am Ende kommt auch noch Schlagzeuger Leon ans Mikro und ruft auf für ein menschliches Miteinander und gegen Hass. Ein fast schon weihnachtliches Finale dieser drei Newcomer.