Der Missbrauch Minderjähriger durch katholische Priester wurde lange systematisch geheim gehalten. Auch im Bistum Münster wurden Betroffene nicht gehört und sexuelle Gewalt vertuscht. Ein Vortrag des Historikers David Rüschenschmidt.
Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche wurde in Deutschland erst seit dem Jahr 2010 von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Dabei bestand der Missbrauch schon lange.
"Der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche lässt sich weit zurückverfolgen und ist überhaupt kein neues Phänomen."
In seinem Vortrag beschreibt der Historiker David Rüschenschmidt, wie lange sich der Missbrauch zurückverfolgen lässt und wie er vertuscht wurde. Vom Jahr 2022 bis 2024 hat David Rüschenschmidt als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt zur Aufarbeitung des Missbrauchs Minderjähriger durch Priester im Bistum Münster
mitgearbeitet. In seinem Vortrag stellt er die Ergebnisse des Projekts vor und ordnet sie ein.
Das Schweigen der Bystander
Das Forschungsteam hat auch untersucht, welche Rolle so genannte Bystander in den Missbrauchsfällen gespielt haben. Bystander sind Menschen, die etwas von dem Missbrauch wussten oder hätten wissen können. Oft haben Sie durch Vertuschung und Schweigen den Missbrauch erst ermöglicht.
"Echte Aufarbeitung würde bedeuten, dass die Kirche nicht nur auf Druck von außen reagiert, sondern aus eigener moralischer und theologischer Einsicht."
Die Aufarbeitung des Missbrauchs war ein erzwungener Lernprozess, sagt David Rüschenschmidt, der von außen an die Kirche herangetragen wurde. Die Aufarbeitung innerhalb der katholischen Kirche selbst bewertet der Historiker daher kritisch.
David Rüschenschmidt ist Historiker und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg. Sein Vortrag hat den Titel "Im Schatten der Institution. Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche als Systemkrise". Er hat ihn am 5. November 2025 im Rahmen der Ringvorlesung "Religion - Gender - Sexualität" der Universität Hamburg gehalten.
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