Manche der Infos über das Coronavirus sind nur schwer verständlich und nicht immer für alle zugänglich. Ein Pilotprojekt in Bremen schult Mediatorinnen, damit sie in ihren Stadtteilen über das Virus aufklären – auf Augenhöhe.

Informationen über das neuartige Coronavirus gibt es seit Beginn der Pandemie. Darunter die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse, angepasste Maßnahmen seitens der Politik – und auch Falschinformationen.

Die Fülle und auch Komplexität der Informationen kann dazu führen, dass wir an unsere Grenzen kommen. Denn: Nicht immer sind die Meldungen über das Virus verständlich aufbereitet oder für alle zugänglich.

Austausch auf Augenhöhe 

Hier setzt das Pilotprojekt "Covid-TCM" des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) an. Mithilfe sogenannter Gesundheitsmediator*innen möchte das BIPS über das Coronavirus aufklären – und das auf Augenhöhe.

Dafür sind acht Mediatorinnen im Bremer Stadtteil Osterholz unterwegs. Der Stadtteil gehört zu den sozial benachteiligten Wohnvierteln der Hansestadt, in dem die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus zeitweise besonders hoch waren.

Präsent und ansprechbar für Fragen, Sorgen, Nöte

Die Mediatorinnen sollen für die Menschen in Osterholz Vertrauensperson und Ansprechpartnerin sein. Sie allen leben selbst in dem Bremer Stadtteil und arbeiten dort teilweise auch zum Beispiel in Mütterzentren. Auch vor der Corona-Pandemie haben sie sich schon in ihrem Stadtteil engagiert. Sie sind in Osterholz vernetzt, wissen, welche Fragen die Anwohner*innen über das Coronavirus haben und was sie sich hinsichtlich der Aufklärung wünschen.

Gerade gibt es viele Fragen zur Impfung, sagt Marieke Gerstmann. Sie koordiniert das Projekt am Leibniz-Institut und tauscht sich mit den Mediatorinnen regelmäßig aus.

"Ansonsten geht es auch viel um die Corona-Regelungen: Ab wann gilt was? Wie genau ist das? Was muss man tun? Wenn etwas neu umgesetzt wurde, gibt es viele Unklarheiten", erklärt sie. Und manchmal gehe es auch darum, mit Mythen, die das Coronavirus oder die Impfung betreffen, aufzuräumen.

Darüber sprechen die Mediatorinnen so verständlich wie möglich mit den Menschen. Es geht nicht darum, ihnen etwas aufzuzwingen, so Marieke Gerstmann. Es geht darum, präsent und ansprechbar vor Ort zu sein.

Austauschen und übersetzen

Die Mediatorinnen sind hauptsächlich persönlich in Osterholz unterwegs, aber auch telefonisch erreichbar. Sie alle sprechen neben Deutsch mindestens noch eine weitere Sprache wie Englisch, Kurdisch, Arabisch, Tamil, Twi, Russisch, Mazedonisch und Türkisch. Bremen Osterholz ist ein diverser Stadtteil. Die Menschen sprechen dort über 80 verschiedene Sprachen.

"Es war uns wichtig, dass es eben nicht besonders geschulte Leute sind, die vielleicht auch in der Wissenschaft arbeiten, sondern dass es wirklich Bürger vor Ort sind, die verstehen, was auch andere Bürger vor Ort für Probleme und Fragen haben."
Marieke Gerstmann, Projektkoordinatorin "Covid-TCM", Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie

Die Mediatorinnen sollen eine Brücke sein zwischen den Menschen in Osterholz und der Wissenschaft. Dafür treffen sie sich einmal in der Woche mit Projektkoordinatorin Marieke Gerstmann, um offenen Fragen zu klären und ihre Erkenntnisse zu sammeln. Zum Beispiel haben die Mediatorinnen in ihren Gesprächen herausgefunden, dass Bilder auf Flyern oft Infos ansprechender zusammenfassen als lange Texte.

Zusätzlich nehmen die Frauen regelmäßig an Schulung teil, um alle relevanten Infos über das Coronavirus und die Impfung zu bekommen und immer auf dem neusten Stand zu sein. In der letzten Schulung ging es zum Beispiel um die Omikron-Varainte, erzählt die Projektkoordinatorin.

Das Projekt in Bremen läuft bis Ende Juni 2022.