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Es gibt nicht genug Impfstoff, nicht nur in Deutschland. Dabei gibt es Impfstoffe, zum Beispiel den von Biontech/Pfizer. Das Künstlerkollektiv Peng ruft die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Firma auf, ihr Wissen über die Herstellung anonym zu teilen. Das Monopol der Impfstoffproduktion dürfe nicht bei den Unternehmen liegen, sagt Robin Barnabas, Sprecher des Kollektivs.

Auf der Plattform Biontech Leaks des Künstlerkollektivs Peng sollen und können Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Pharmaunternehmens Biontech/Pfizer anonym Hinweise über die Herstellung des Corona-Impfstoffes teilen. Dafür wirbt das Kollektiv auch mit Werbung an den Bushaltestellen vor dem Unternehmen Biontech in Mainz und Marburg. Das Kollektiv setzt auf politische Kunst und ist für kontroverse Aktionen bekannt.

Ein Plakat an einer Bushaltestelle in Mainz wirbt für die Kampagne "Biontech Leaks" des Künstlerkollektivs Peng.
So wirbt das Künstlerkollektiv Peng für seine Kampagne vor dem Unternehmen Biontech in Mainz.

Der Impfstoff gegen Corona sei ein Hoffnungsschimmer in dieser anhaltenden Krise, so Robin Barnabas. Deshalb müsse der Impfstoff schnell an alle Menschen weltweit verimpft werden. "Doch wir sehen, gerade auch in Deutschland, dass die Kampagne total schleppend vorankommt."

Zwangslizenzen und Wissenstransfer gegen die Pandemie

"Deshalb fordern wir einen Wissenstransfer", sagt Robin Barnabas. Die Produktion des Impfstoffes solle nicht allein bei einzelnen Unternehmen liegen, damit die Herstellung auch in anderen Ländern möglich sei.

"Wir wollen nicht, dass das Monopol für die Produktion des Impfstoffes bei einzelnen Unternehmen liegt."
Robin Barnabas, Sprecher des Künstlerkollektivs Peng

Diese Forderung begründet das Kollektiv auch damit, dass die Entwicklung von Impfstoffen maßgeblich durch öffentliche Mittel ge- und befördert worden sei. "Die Steuerzahler in Deutschland haben den Impfstoff von Biontech mit 375 Millionen Euro mitfinanziert", sagt Robin Barnabas. Außerdem habe die Firma schon in ihrer Gründungsphase Steuermittel erhalten.

Als weiteres Beispiel nennt er den Impfstoff der Firma Oxford/Astra-Zeneca. "Der wurde zu 100 Prozent an Universitäten entwickelt." Die Verwertung der Vakzine liege aber in den Händen der Pharmaunternehmen.

"Wir müssen dafür sorgen, dass die Impfstoffe breit verfügbar sind. Und auch das Wissen darüber breit verfügbar ist."
Robin Barnabas, Sprecher des Künstlerkollektivs Peng

Doch allein ein Wissenstransfer bringt keine Lösung, denn zurzeit mangelt es vor allem an der Produktion des Impfstoffes. Das ist auch dem Künstlerkollektiv Peng klar. Es gebe verschiedene Stellschrauben, um eine weltweite Impfung gegen Corona voranzutreiben. "Die erste ist aber der fehlende Wissenstransfer", sagt Robin Barnabas.

"Die Pharmafirmen müssen das Wissen teilen, damit andere Unternehmen überhaupt erst einmal in der Lage sind zu sehen, ob und wie sie in die Produktionsketten mit einsteigen können."
Robin Barnabas, Sprecher des Künstlerkollektivs Peng

Nur durch Transparenz könne gewährleistet werden, dass andere Unternehmen für sich entscheiden können, ob sie einzelne Produktionsschritte übernehmen können. Denn Biontech zum Beispiel fehle es an ausreichend Ampullen, um den Impfstoff abfüllen zu können. "Es gibt rudimentäre, einfache Stellen, wo andere Unternehmen unterstützen können", sagt Robin Barnabas. Doch es brauche eben einen Wissenstransfer.

Patentschutz aussetzen - das fordern Indien und Südafrika

In der Diskussion um die Pharmaunternehmen geht es auch um den Punkt Patentschutz. Indien und Südafrika fordern, die Patente für Corona-Impfstoffe sowie Corona-Medikamente auszusetzen. Die beiden Länder haben einen Antrag bei der Welthandelsorganisation gestellt.

Doch die Gefahr ist, dass Pharmaunternehmen in der nächsten Pandemie keine Impfstoffe mehr entwickeln könnten, wenn sie in der aktuellen Krise erleben, dass ihre Patente ausgesetzt werden.

Diese Gefahr sieht Robin Barnabas nicht. Das Patentsystem sei ohnehin fehlerhaft. Patente im medizinischen Bereich würden nur entwickelt und angemeldet, wenn es sich lohne. Zum Beispiel beim Haarausfall, aber eben nicht bei Tuberkulose oder Schlangenbissen. Neben der Aussetzung von Patenten sieht er auch die Möglichkeit von Zwangslizenzen, um den Wissenstransfer zu befördern und den Impfstoff verfügbar zu machen. Solche Lizenzen werden teils auch von Politikerinnen und Politikern gefordert.