Deutschland geht raus aus der Atomkraft und will weg von der Kohle. Doch für eine Energiewende braucht es zum Beispiel mehr Windkraft. Der Ausbau an Land geht aber kaum voran. Das bedroht auch Jobs. Wirtschaftsminister Altmaier ruft deshalb zum Windgipfel, um den Ausbau voranzubringen. Wir sprechen mit Georg Ehring aus der Deutschlandfunk-Umweltredaktion.

In Deutschland gibt es rund 30.000 Windkrafträder an Land. Im ersten Halbjahr 2019 kamen 86 neue hinzu. "Also fast nichts", sagt Georg Ehring aus der Deutschlandfunk-Umweltredaktion. Denn zugleich gingen rund 50 ältere und kleine Anlagen vom Netz. Dieser geringe Ausbau bringt netto einen Zugewinn von 231 Megawatt, das entspricht etwa einem Viertel der installierten Leistung eines Atomkraftwerkes. Aber auch nur, wenn der Wind kräftig weht.

Der Ausbau der Windkraft an Land geht also kaum voran, so Georg Ehring.

"Der Ausbau der Windkraft an Land ist fast zum Stillstand gekommen."
Georg Ehring, Deutschlandfunk-Umweltredaktion

Das größte Problem für den mangelnden Ausbau sind fehlende Flächen für Windkrafträder. Dafür gebe es vor allem drei Gründe, so Georg Ehring.

  • Naturschutz: Denn wenn seltene Vögel, wie zum Beispiel der Rote Milan, in Gebieten nisten, auf denen Windkraftanlagen gebaut werden sollen, dann gibt es keine Erlaubnis für den Bau von Windkrafträdern. Der Naturschutz geht dann vor.
  • Abstände zur Wohnbebauung: Bayern zum Beispiel hat sehr große Abstände zwischen Windkraftanlagen und Siedlungen festgelegt. Bis zum nächsten Dorf müssen rund zwei Kilometer liegen. Doch damit gibt es kaum Flächen, denn Bayern sowie Deutschland insgesamt ist dicht besiedelt.
  • Genehmigung: Die Genehmigungsverfahren dauern sehr lange und verzögern ebenso den Ausbau.

Forderungen der Windindustrie

Um den Ausbau voranzubringen hat die Windkraft-Lobby einen 10-Punkte-Plan vorgestellt. Zu den Forderungen zählt eben vor allem, dass Flächen ausgewiesen werden. Naturschutzprüfungen sollen standardisiert werden, auch um die Verfahren zu beschleunigen. Kommunen sollen finanziell beteiligt werden, damit sie mehr Interesse an Windkraftanlagen haben.

"Es werden zu wenig Flächen für die Windkraft an Land ausgewiesen."
Georg Ehring, Deutschlandfunk-Umweltredaktion

Diesem 10-Punkte-Plan haben sich auch die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und WWF angeschlossen. Nicht aber der BUND und der Nabu, die sich stärker für Naturschutz im engeren Sinne einsetzen.

An der Windindustrie hängen zehntausende Jobs

Über die Forderungen der Branche soll beim Windgipfel geredet werden: Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat dazu eingeladen. Die Windindustrie ist nicht nur wichtig, um Energie für Deutschlands Wirtschaft zu liefern, sondern daran hängen auch viele Jobs. Der fehlende Ausbau an Land bedroht viele Arbeitsplätze.

"Die Zahl der Jobs in der Branche geht deutlich zurück", sagt Georg Ehring. 2017 seien im Vergleich zum Vorjahr 26.000 Arbeitsplätze in der Branche weggefallen. Die Zahl der Beschäftigten lag damit bei 112.100. Danach wurde die Situation nicht besser. Zehntausend weitere Stellen seien verschwunden, so Georg Ehring.

Der Wirtschaftsgipfel soll nun Lösungen finden. Ganz schnelle Lösungen seien nicht zu erwarten, so Ehring. Aber vielleicht fällt eine Einigung, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Außerdem wird sich zeigen, ob die Länder bereit sind, neue Flächen auszuweisen.