Paris, Nizza, Berlin, London, Manchester… Vielen Notfallmedizinern ist in den vergangenen Monaten klar geworden: Nach Terroranschlägen sind wir mit Situationen und Verletzungen konfrontiert, die wir so vorher gar nicht kannten.

Eigentlich werde von Ärzten erwartet, dass sie auf alles vorbereitet sind, sagt der Notfallmediziner Johannes Wimmer. Doch Bomben, Schusswunden oder Massenverletzungen, etwa durch einen Lkw, der in eine Menschenmenge fährt – das alles gehört nicht zum Alltag der meisten Ärzte.

"Jetzt, wo es keine großen Kriegsgeschehen mehr vor der Haustür gibt, haben Ärzte gewisse Dinge verlernt."
Johannes Wimmer, Notfallmediziner

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie fordert schon länger, dass die Mediziner besser auf Anschläge vorbereitet werden müssen. Zusammen mit der Bundeswehr bildet sie Unfallchirurgen entsprechend fort:

  • bei der Versorgung von Amputationen
  • dabei, wie man möglichst viele Verletzte in kurzer Zeit versorgt
  • wie es ist, unter Beschuss zu arbeiten

Außerdem sollen die Ärzte das Bundeswehr-Register der Schuss- und Explosionsverletzungen übernehmen.

"Kriegsmedizin"

Die Behandlung von Betroffenen eines Terroranschlags unterscheidet sich von der Behandlung etwa von Patienten nach einer Massenkarambolage auf der Autobahn. Es hänge von der Verletzungsart ab, sagt Johannes Wimmer. Mit Bomben oder Schusswunden kennen sich Notfallmediziner hier weniger aus als mit den Verletzten eines Autounfalls.

"Bei Terroranschlägen wird 'Kriegsmedizin' gemacht."
Johannes Wimmer, Notfallmediziner

Bei einer Massenkarambolage würden die Verletzten meistens auch erst nacheinander aus den Wrackteilen befreit und würden nicht gleichzeitig ins Krankenhaus gebracht. Die Rettungskette stehe in der Regel und die Verletzten könnten auf Krankenhäuser verteilt werden. Je nach Fall gebe es eine sogenannte Triage, erklärt Wimmer, die regelt, welche medizinische Hilfeleistung im Notfall zuerst erbracht werden muss.

"Wenn jetzt aber hier auf der Reeperbahn eine Bombe explodiert und 120 Menschen sind verletzt - dann kommst du nicht mehr hinterher."
Johannes Wimmer, Notfallmediziner