Für den Ticketkauf reicht beim Fliegen und bei der Bahn ein Klick. Für eine Entschädigung braucht man viel Zeit, Briefmarken und ausgedruckte Beweise. Das wollen Verbraucherschützer jetzt ändern.

Zugverspätung, Zugausfall oder Flieger gestrichen: Bei der Bahn bekommt ihr bei einer Stunde Verspätung ein Viertel des Ticketpreises zurück, beim Flugzeug können es bis zu 600 Euro sein.

Dafür sind allerdings umständliche Anträge nötig – meistens müsst ihr Dokumente drucken und verschicken und dann lange Zeit warten. Das möchte der Bundesverband der Verbraucherzentralen ändern und die Entschädigung vereinfachen.

Online-Ticket und Offline-Entschädigung

Grund für Ärger bei den Bahnkunden ist zum Beispiel, dass die Tickets sich zwar online buchen lassen und der Fahrschein dann ausschließlich auf dem Smartphone vorliegt, dem Entschädigungsantrag in der Regel aber eine ausgedruckte Fahrkarte beigelegt werden muss.

Das ist bei einigen kleineren Bahnunternehmen anders. Bei Meridian oder der Nordwestbahn zum Beispiel lassen sich Fahrscheine zum Beweis auf einer Webseite hochladen. Die Bahn gibt an, dass sie an vergleichbaren Verfahren arbeite. 

"Bahn wird es sicherlich irgendwann vereinfachen müssen, weil Fernbus und Flieger es vormachen werden. Wobei es bei denen sehr viel einfacher ist, weil Ticket und Fahrt in jedem Falle übereinstimmen."
Karl Naumann, Fahrgastverband Pro Bahn

Die Schweizer Staatsbahn bietet ein Modell für Vielfahrer mit Kartenabonnement an. Bei dem Pilotprojekt können sich diese Kunden mit einer App zu Beginn jeder Fahrt ein- und am Ziel ausloggen. Ist der Zug zu spät, überweist das Verkehrsunternehmen die Erstattung automatisch. Dafür muss das Positionstracking beim Handy aktiviert sein.

Zwar nicht automatisch, aber doch zumindest online lässt sich die Erstattung unter anderem in Frankreich, Schweden, Norwegen, den Niederlanden, Ungarn und Polen abwickeln. 

Entschädigungen im Flugverkehr

Im Flugverkehr plant die Lufthansa ein automatisches Entschädigungssystem – zunächst nur für klare, durch das Unternehmen selbst verursachte Verspätungsfälle.

Allerdings stoßen automatisierte Entschädigungsverfahren auch im Flugverkehr rasch an ihre Grenzen, sagt der Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft Matthias von Randow:

"Die Fluggesellschaften haben von vielen Kunden gar keine Direktinformationen. Denken Sie nur an pauschal gebuchte Ferienflieger oder an Dienstreisen, wo eine zentrale Stelle bucht."

Mehr zum Thema: