Irgendwann in der Zukunft soll es nur noch Autos geben, die ganz von alleine fahren. Der Fahrer sitzt dann rum. Was bedeutet das für die Männerwelt?

In selbstfahrenden Autos sind die Fahrer nur noch Beiwerk, das Auto macht im besten Fall alles allein. Der Fahrer muss zwar aufmerksam im Auto sitzen, aber richtig aufs Gas drücken - das ist nicht mehr. Für Männer, für die ein Auto bislang die Verlängerung ihres Selbst war, könnte das zum Problem werden.

Was tun, wenn das Auto in der 30-Zone nicht von 20 auf 80 Kmh beschleunigt? Was tun an der Ampel, wo man sonst immer ordentlich aufs Gas gedrückt hat, damit das Auto laute Geräusche macht? Was tun auf der Autobahn, wenn man so gerne rechts überholen würde und das Auto spielt einfach nicht mit?

Autonome Autos und der Kastrationskomplex

Die Wissenschaftlerin Anna-Lena Berscheid von der Uni Paderborn hat genau darüber eine Forschungsarbeit geschrieben. Dafür hat sie Onlinemedien auf Formulierungen hin untersucht, die sich aufs autonome Fahren beziehen. Und sie hat festgestellt: Männliche Autoren beschreiben ihre Ängste bezüglich selbstfahrender Autos häufig mit Worten wie: "unmündig", "arbeitslos", "degradierte Ex-Fahrer". Florian Rötzer schreibt auf Telepolis sogar von der "Machtergreifung der Maschinen". Im freudschen Kontext könnten wir hier als von einem verstärkten Kastrationskomplex sprechen.

Selbstfahrende Autos taugen als Statussymbole

Dabei könnten selbstfahrende Autos auch zur Gleichberechtigung beitragen: Jeder ist plötzlich Beifahrer, weil die meiste Arbeit übernimmt tatsächlich das Auto selbst. Der Kompetenzkampf zwischen Fahrer und Beifahrer könnte sich beim autonomen Fahrer möglicherweise auf die Bedienung des Navigationssystems verlagern.

Ob Männer sich wirklich darauf einlassen ist allerdings fraglich. Anna-Lena Berscheid hat festgestellt, dass selbstfahrende Autos eine höhere Akzeptanz genießen, wenn wir die Automatik ausschalten können. Dabei gehe es vor allem darum, dass der Fahrer wieder Kontrolle zurückgewinnen möchte, sagt die Verkehrspsychologin Nina Wahn. Kontrolle wollen wir vor allem in Situationen haben, die wir als unangenehm empfinden - zum Beispiel im Stau. Oder aber wenn wir den Fahrspaß einmal so richtig genießen möchten.

Sie ist sich auch sicher, dass auch selbstfahrende Autos in Zukunft als Statussymbole taugen: "Sehr wahrscheinlich wird es auch in halb- oder hochautomatisierten Fahrzeugen verschiedene Fahrzeugklassen geben."