Nicht zu hart und nicht zu matschig darf sie sein. Um den Reifegrad einer Avocado zu testen, wird bisher schön an ihr rumgedrückt. Die Folge: Ein Drittel der Früchte landet im Müll. Ein neuer Test soll die Reife nun besser bestimmen - ganz ohne Anfassen.

Nicht nur der Kunde im Supermarkt drückt an der Avocado. Schon bevor sie im Supermarkt landen, wird im Großmarkt an den Früchten rumgepatscht, um zu testen, ob sie reif sind - was oft zur Folge hat, dass die Avocados verderben.

Ein Forschungsteam aus Großbritannien hat nun eine Technik getestet, die ohne drücken auskommt.

Neue Methode: In Schwingung bringen

Dafür haben sie sich einer Technik bedient, die normalerweise in der Autoindustrie verwendet wird. Mit dem Laser-Doppler-Vibrator werden mechanische Schwingungen gemessen und so etwa überprüft, ob Karosserieteile gleichmäßig geformt sind. Für den Test haben die Forschenden den Laser nur nicht auf ein Auto, sondern auf eine Avocado gerichtet.

"Der Laser wird auf die Avocado gerichtet und in leichte Schwingungen versetzt. Die Frequenz des zurückgestreuten Laserlichts kann dann gemessen und der Wert für die perfekt reife Avocado ermittelt werden."
Tina Howard, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Dabei wird die Avocado in leichte Schwingungen versetzt. Die Frequenz des zurückgestreuten Laserlichts wird gemessen. Anhand ihrer Tests haben die Forschenden dann die Frequenz einer reifen und einer unreifen Avocado ermittelt. So konnten sie den Grenzwert für die perfekt reife Avocado berechnen.

Technik für Großhändler gedacht

Ein Laser-Doppler-Vibrator wird uns aber demnächst in den Supermärkten zur Erforschung der Avocados nicht zur Verfügung stehen. Die Technik ist für Großhändler gedacht. Denn Avocados werden bisher auch dort gedrückt - entweder per Hand oder mit Geräten, die mit Druckluft die Früchte drücken und sie dann aussortieren.

"Mit dieser Technik könnte sich die Abfallquote um zehn Prozent reduzieren lassen. Da diese Laser in vielen Bereichen bereits verwendet werden, sind sie auch erschwinglich."
Tina Howard, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Studie ist Teil eines Forschungsprojekts, mit dem dafür gesorgt werden soll, dass weniger Lebensmittel verschwendet werden. Mit dieser Technik könnte die Abfallquote um zehn Prozent gesenkt werden.

Tipps für den eigenen Avocado-Kauf

Doch auch im Supermarkt lassen sich die Drücker reduzieren: Lieber mit der Handfläche leicht erfühlen als erdrücken, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Tina Howard.

Ansonsten gilt: Kaufen und abwarten. Denn Avocados sind klimakterische Früchte - sie reifen also nach.

In der Natur fallen die Früchte immer unreif vom Baum und reifen erst am Boden. Wer nicht drei Tage warten will, kann seine Avocado mitsamt einem Apfel in eine Papiertüte packen. Das Reifungsgas Ethen sorgt dafür, dass die Avocado schneller weich wird.