Bäume sind natürliche CO2-Speicher. Ist es dann nicht sinnvoll, einfach viel mehr Bäume zu pflanzen, um das Klima zu schützen? Platz ist genug da, sagt ein Forscherteam der ETH Zürich. Aber eine Aufforstung ist extrem aufwendig, so unsere Reporterin Sophie Stigler. Außerdem: Was bringen neue Bäume, wenn zugleich die Tropenwälder gerodet werden?

Dass Bäume CO2 speichern können und damit natürliche Klimaschützer sind, ist nicht neu. Aber wie viele Bäume könnten zusätzlich gepflanzt werden und welche Auswirkungen hätte das auf den Klimawandel?

Dazu hat ein Team der Technischen Hochschule (ETH) Zürich geforscht und eine Studie im Fachmagazin Science veröffentlicht.

Wo ist Platz für noch mehr Wald?

Laut den Forscherinnen und Forschern passt ein Drittel der jetzigen Waldfläche zusätzlich auf die Erde. In Zahlen wären das 900 Millionen Hektar, die frei sind und bepflanzt werden könnten. Das entspricht in etwa der Fläche der USA. In einem Interview der ETH macht der Studienleiter Tom Crowther deutlich, dass das Team überrascht war, dass es noch so viel Platz für mehr Bäume gibt.

"Das Potenzial für eine Aufforstung ist viel größer, als wir uns das jemals vorstellen konnten."

Würde die freie Fläche aufgeforstet werden, könne man zwei Drittel des CO2, das die Menschheit bislang in die Atmosphäre geblasen hat, wieder aus der Luft saugen, so das Forscherteam. Im Mix mit der Begrenzung aktueller Treibhausgasemissionen, könnte durch die Aufforstung das Ziel der maximalen Erderwärmung von maximal 1,5 Grad noch erreicht werden. Tom Crowther sieht in der Aufforstung ein riesiges Potential für den Klimaschutz.

"Die Aufforstung ist bei Weitem der vielversprechendste Lösungsansatz für den Klimaschutz, den wir zurzeit haben."

Das klingt nach einer grandiosen Lösung. Aber nicht alle freien Flächen bieten ausreichend Wasser und/oder Sonne für die Bäume. Deshalb haben sich die Forschenden zunächst die Naturschutzgebiete weltweit genau angeschaut: Wie viele Bäume wachsen dort und unter welchen geographischen Bedingungen?

Algorithmus für freie Flächen

Aus diesen Daten hat das Team einen selbstlernenden Algorithmus geschrieben, der sich auf die gesamte Erde übertragen lässt. Mit Hilfe des Algorithmus lässt sich berechnen, an welchen Orten vergleichbare Bedingungen wie in den Naturschutzgebieten herrschen. Daraus konnte das Team schließen, welche Flächen sich überhaupt und für wie viele Bäume eignen. Außerdem wurden von der freien Fläche städtische Gebiete und Ackerland abgezogen.

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Das größte Potential für eine Aufforstung liegt in Russland, USA und Kanada. In Deutschland ist bereits ein Drittel der Gesamtfläche Wald, aber mehr Aufforstung ist möglich. Dass tatsächlich 900 Millionen Hektar mit Bäumen bepflanzt werden, sei jedoch unwahrscheinlich, so unsere Reporterin Sophie Stigler.

"Es ist nicht realistisch, dass die gesamte verfügbare Fläche weltweit aufgeforstet wird."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova

Denn zu den freien Flächen zählen zum Beispiel Viehweiden, die wegfallen würden. Außerdem ist die Aufforstung extrem aufwendig: Die Weltgemeinschaft müsste gemeinsam handeln und das Projekt auch gemeinsam finanzieren. Außerdem: Was bringt Aufforstung, wenn zugleich riesige Tropenwaldflächen abgeholzt werden – wie in Brasilien oder auch Indonesien.

"In den Tropen werden munter die Wälder abgeholzt."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova

Insbesondere Tropenwälder sind extrem gute CO2-Speicher. Denn Tropenwälder wachsen viel dichter und sie kühlen stärker durch Verdunstung als viele Wälder in nördlicheren Breiten.

Dennoch ist die Studie wichtig, so Sophie Stiegler. Denn sie zeigt, was möglich wäre, wenn Regierungen weltweit wirklich den Klimawandel stoppen wollten. Außerdem wird deutlich, dass jedes Land etwas für den Klimaschutz tun kann: nämlich Baum für Baum.