Laut der Statistik des Zentrums für Krankheitskontrolle der Europäischen Union hat Portugal derzeit die höchste Sieben-Tage-Inzidenz auf dem europäischen Kontinent. Verantwortlich dafür scheint die Omikron-Subvariante BA.5 zu sein. Was bisher darüber bekannt ist.

Ist BA.5 auch in Deutschland schon verbreitet?

Laut Robert-Koch-Institut war Mitte Mai für 2,5 Prozent der Neuinfektionen die neue Variante BA.5 verantwortlich. Die Zahl steigt aber. In Süddeutschland weisen neuere Zahlen eines Labors schon auf einen Anteil von 15 Prozent hin. Noch dominiert aber weiterhin der Omikron-Typ BA.2.

Der Immunologe Carsten Watzl von der Universität Dortmund sagt: Wenn die Zahlen im Herbst saisonal ansteigen, werden sich Varianten wie BA.5 durchsetzen.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes Frank Ulrich Montgomery geht davon aus, dass auch in Deutschland Menschen an BA.5 erkranken werden. Er sagt aber auch: Wer geimpft ist, erkrankt deutlich milder. Das Risiko zu sterben sei 99 Prozent geringer als bei Ungeimpften.

Ist BA.5 gefährlicher als andere Varianten?

Das ist noch nicht valide zu beantworten. In Portugal ist BA.5 inzwischen die vorherrschende Variante, sie ist für etwa 80 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich. Tatsächlich sind dort auch mehr Menschen krank und es sterben auch wieder mehr Menschen – obwohl die Impfquote verhältnismäßig hoch ist.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass BA.5 auch gefährlicher ist und kränker macht. Die höhere Zahl an erkrankten Menschen und Toten könnte auch einfach an der hohen Zahl der Infizierten liegen und/oder auch daran, dass bei vielen Menschen in Portugal der Impfschutz inzwischen nachgelassen hat.

Wie ist mein Schutz, wenn ich in den letzten Monaten infiziert war?

Wer gerade erst infiziert war, war es vermutlich mit dem Subtyp BA.2. Österreichische Fachleute gehen davon aus, dass BA.5 für BA.2-Genesene relativ ungefährlich ist und dass sie einen ziemlich sicheren Infektionsschutz haben.

Wie sollte ich mich jetzt am besten verhalten?

Es gelten nach wie vor die Empfehlungen, freiwillig Maske zu tragen, wenn man an Orten mit vielen Menschen ist – und die dringende Empfehlung sich impfen zu lassen.

Wird es an Omikron angepasste Impfstoffe geben?

Dazu laufen unter anderem bei Biontech aktuell Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit. Uğur Şahin, der Vorstandschef des Impfstoffherstellers Biontech, sagt: In den kommenden Wochen werden Ergebnisse erwartet. Er rechnet damit, dass ein an Omikron angepasster Impfstoff bis zum Herbst zugelassen wird.

Wie geht es insgesamt weiter mit Corona?

Das ist nicht vorhersagbar. Die britische wissenschaftliche Beratergruppe Sage (Scientific Advisory Group for Emergencies) hat im Februar für Großbritannien verschiedene Szenarien vorgestellt: Demnach könnte das Coronavirus im besten Fall im Herbst ohne stärker veränderte Eigenschaften zurückkommen. Im schlimmsten Fall jedoch sei erneut eine große Welle mit vielen schweren Verläufen denkbar.

Als ziemlich sicher gelte, dass Corona uns noch länger begleiten wird, auch in Form neuer Varianten.