Die Hitze und Dürre machen unseren Bäumen sichtbar zu schaffen. Wir können sie jetzt unterstützen durch Gießen und Bepflanzen der Baumbeete. Langfristig braucht es neue Konzepte, damit uns die Stadtbäume auch erhalten bleiben.

Die Hitzewelle hält an, die Trockenheit auch und das stresst nicht nur uns, sondern unsere großen Schattenspender auch: Viele Bäume sehen mitgenommen aus, lassen ihre Äste hängen und ihre Blätter fallen. Auf manchen Straßen liegen diesen Sommer so viele ausgetrocknete Blätter wie im Herbst – schon wieder. Es ist ein erneuter Dürresommer.

Bäume gießen – jetzt

In der akuten Trockenheit können wir alle etwas für die Bäume tun. Angefangen beim Gießen. Die Straßenbäume sollten wir regelmäßig gießen, aber nicht täglich. Christian Hönig, Referent Baumschutz bei der Umwelt- und Naturschutzorganisation BUND, empfiehlt ein Mal in der Woche acht bis zehn Eimer. Das scheint erst mal viel Wasser, stellt aber sicher, dass das Wasser auch die tief liegenden Wurzeln der Bäume erreicht. Die Uhrzeit spielt auch eine Rolle: Gießen ist früh am Morgen oder spätabends sinnvoller als tagsüber, weil das Wasser in der Hitze viel zu schnell verdunstet.

"Im Moment zählt jeder Tropfen"

Zum Gießen sollten wir am besten Brauchwasser nutzen, das wir beim Kochen oder zum Waschen von Gemüse und Obst schon benutzt haben. So können wir das wertvolle Trinkwasser direkt aus dem Hahn sparen. Wichtig: Das benutzte Wasser sollte nicht gesalzen sein, Spülmittel oder Ähnliches enthalten. Regenwasser können wir auch auffangen und damit gießen. Eine Gießgruppe, mit der wir uns einmal die Woche verabreden, kann das Eimertragen einfacher machen, schlägt Christian Hönig vor.

Beete machen es schön schattig

Was den Bäumen zusätzlich hilft, ist eine bepflanzte Fläche oberhalb der Wurzeln, die sogenannte Baumscheibe. Die können wir zum Beispiel mit Kräutern bepflanzen. Dadurch verdunstet das Wasser langsamer, weil die Pflanzen der Erde Schatten spenden. Und wenn es regnet, nimmt die Erde das Wasser durch sie besser auf. Die Pflanzen nehmen den Bäumen auch kein Wasser weg, weil sie ihr Wasser aus den oberen Erdschichten ziehen und die Wurzeln der Bäume tiefer liegen.

Bevor wir das Beet um den Baum vor unserer Tür bepflanzen, sollten wir uns bei der Stadt vorher eine Genehmigung holen. Das geht zum Beispiel im Rahmen einer Patenschaft. Das Gießen ist hingegen in der Regel erlaubt, oft rufen Städte auch dazu auf, weil sie in heißen Perioden selbst nicht mit dem Bewässern der Stadtbäume hinterherkommen.

Bewässerungssäcke und Gießränder

Um manche Bäume befinden sich auch Säcke mit Wasser, die vor allem bei jungen Bäumen hilfreich sind. Durch die Säcke versickert das Wasser langsam in die Erde rund um die Wurzelballen. Für ältere Bäume ab ungefähr fünf Jahren seien Gießränder sinnvoller. Diese Ränder bilden eine Art Trog um die Stämme herum. Dadurch kommt direkt mehr Wasser in die tiefen Erdschichten zu den Wurzeln. Säcke wie Ränder können mit Wasser befüllt werden. Damit aber nicht zu viel gegossen wird, sollten wir uns mit unserer Nachbarschaft absprechen, wer wann gießt.

Bäume vor Hitze schützen

Langfristig - mit Blick auf den Klimawandel - stellt sich die Frage, wie wir unsere heimischen Bäume schützen können oder wie sie resistenter werden gegen die Hitze. Es gibt auch Vorschläge, Bäume aus wärmeren Klimazonen, die besser mit Hitze umgehen können, bei uns einzupflanzen.

Letzteres scheint erst einmal naheliegend, ist aber letzten Endes wenig förderlich, sagt Christian Hönig. Wir müssten hitzeresistenten Bäumen zwar weniger mit Wasser versorgen, bekämen durch sie aber andere Probleme.

"Es ist leider nicht so einfach, dass wir sagen: Wir holen uns den Baum und dann haben wir keine Probleme mehr."
Christian Hönig, Referent Baumschutz beim BUND

Das spüren zum Beispiel unsere heimischen Insekten. Sie sind an bestimmte Baumarten gewöhnt beziehungsweise auf sie angewiesen, weil sie dort ihre Eier ablegen, Nahrung und Schutz finden. "Mit den Bäumen, die nicht aus Europa kommen, können diese Tiere gar nichts anfangen", erklärt der Baumexperte. Das bedeutet: Wir würden es heimischen Insekten schwerer machen, zu überleben.

Hitzeresistente Bäume importieren: keine Lösung

Gleichzeitig kommen mit Bäumen aus anderen Klimazonen auch die entsprechende Schadinsekten. Christian Hönig nennt hier die Rosskastanien als Beispiel. Die Kastanienbäume, die wir kennen, kommen ursprünglich aus dem Balkan. Sie wurden vor rund 400 Jahren zu uns gebracht.

Durch die wärmeren Temperaturen breitet sich auch die Kastanienminiermotte vermehrt bei uns aus, die der Kastanie schadet. Ein Befall der Miniermotte zeigt sich durch vertrocknete Stellen an den Blättern der Kastanie. Die Miniermotte hat sich dort hineingefressen. "Gerade in Verbindung mit der Trockenheit verursacht die Miniermotte wirklich große Schäden. Das sieht schon sehr traurig aus. Die Rosskastanie leidet dann noch mehr als andere Bäume", sagt Christian Hönig.

Alte große Bäume schützen

Laut dem Baumexperten sollten wir daher unsere alten heimischen Bäume schützen, die heutzutage große Schattenspender in Städten sind und wie Klimaanlagen funktionieren. Es sei der falsche Ansatz, andere Baumarten zu importieren, die vermutlich nicht an die kalte Jahreszeit angepasst sind und eventuell Jahrzehnte brauchen, um ähnlich große Schattenspender zu werden.

"Große alte Bäume sind gerade in den Städten und den Siedlungen unsere Klimaanlagen."
Christian Hönig, Referent Baumschutz beim BUND

Auf lange Sicht brauche es ein Umdenken, wie wir mit Straßenbäumen umgehen. Das bedeutet: Neue Konzepte dafür, wo Bäume stehen, damit sie ihr tiefes Wurzelwerk ausdehnen können und gleichzeitig an ausreichend Wasser kommen.