In manchen Regionalzügen können Fahrgäste jetzt einen Sitzplatz reservieren. Das ist ein nettes Angebot - doch das eigentliche Problem löst das nicht.

Bei Fahrten im IC und ICE können wir beim Kauf des Tickets gegen eine Gebühr auch einen Sitzplatz reservieren, was je nach Strecke und Fahrzeit oft sinnvoll ist. Manche Regionalzüge aber erfüllen eigentlich dieselben Kriterien, die eine Sitzplatzreservierung notwendig erscheinen lassen - nämlich, dass sie in der Regel sehr voll sind und wir auch hier schon mal zwei Stunden unterwegs sind.

Wieso also nicht einen Platz reservieren?

Genau diesen Service bietet die Deutsche Bahn in manchen Regionen auf ausgewählten Strecken jetzt an, zum Beispiel in Bayern, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Thüringen.

Regionale Unterschiede

Das Angebot richtet sich in der Regel an Fahrgäste mit Abo, also einer Monatskarte zum Beispiel. Sie können in Regionalzügen für 40 Euro pro Jahr (zusätzlich zum Abo-Preis) einen Platz reservieren. In manchen Zügen/Regionen können sich auch Kunden ohne Abo für einen Euro pro Fahrt einen Sitzplatz reservieren lassen.

"Für Leute, die sonst nicht Bahn fahren, ist das eine Beruhigung. Man weiß, dass man einsteigen und sitzen kann. Man muss keine Angst haben, dass man bei einem lang fahrenden Regionalexpress zwei Stunden rumstehen darf."
Lukas Iffländer, Fahrgast-Verband Pro Bahn

Das bekannte Problem an Sitzplatzreservierungen: Oft sind die Plätze besetzt von Fahrgästen, die nicht wussten, dass dort reserviert ist, oder denen das einfach egal ist. Da manche Regionalzüge noch voller als Fernzüge sind und noch häufiger Fahrgäste ein- und aussteigen, dürften die Personen mit Reservierung noch öfter falsch sitzende Fahrgäste von ihren reservierten Sitzen vertreiben müssen.

Reservierungen in S-Bahnen nicht sinnvoll

Die Bahn will dieses Problem dadurch entschärfen, dass in Regionalzügen nicht einzelne, nummerierte Sitze reserviert werden können (wie im ICE: Wagen 27, Sitz 62). Vielmehr wird ein separates Abteil bereitgestellt, in dem nur Fahrgäste mit einer Reservierung Platz nehmen dürfen.

Lukas Iffländer vom Fahrgast-Verband Pro Bahn hält die Reservierungsmöglichkeit für manche Strecken trotzdem für nicht sinnvoll, etwa bei S-Bahnen.

"Man sollte sich da auf Linien beschränken, die quasi Fernverkehrscharakter haben. Vor allem in S-Bahnen bietet das mehr Konfliktpotenzial als neuen Komfort."
Lukas Iffländer, Fahrgast-Verband Pro Bahn

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält die Möglichkeit, auch in Regionalzügen, Sitzplätze reservieren zu könne, zwar für eine gute Idee, plädiert aber für mehr Züge, die regelmäßiger fahren. Denn das Hauptproblem in vielen Regionalzügen sei nicht die fehlende Reservierungsmöglichkeit. Vielmehr gebe es einfach generell zu wenige Plätze für zu viele Fahrgäste.