Sie sind das Team "Drift Chicks": die Hamburgerinnen Constanze, Kristina und Quirine haben als erstes Frauenteam bei der Baltic Sea Circle Rallye mitgemacht und den zweiten Platz geholt. 

Quirine Philipsen hatte die Idee - sie wollte bei der Baltic Sea Circle Rallye teilnehmen: einer Rallye, bei der 47 Teams mitmachen, die in 14 Tagen 7500 Kilometer zurücklegen. Die Strecke beginnt in Hamburg, führt zum Nordkapp Richtung Polarkreis und über Tallinn wieder zurück. 

Das Einzige, was ihr noch fehlte, waren zwei "Bekloppte", die genauso Feuer und Flamme für ihre Idee sein sollten. Aber viel Überzeugungskraft brauchte sie nicht um ihre Freundinnen Constanze Witzel und Kristina Gruse-Unkels zu überzeugen.

"Herumspinnen und eine Idee haben, das ist leicht. Aber es dann durchzuziehen und zwei Leute zu finden, die dann auch wirklich Feuer und Flamme waren, das war eher das Besondere."
​Quirine Philipsen, Baltic-Sea-Circle-Teilnehmerin
Das Team "Drift Chicks" mit ihrem Rover "Landylove".
Das Team "Drift Chicks" mit ihrem Rover namens "Landylove".

Am 24. Februar startete das Team am Hamburger Fischmarkt: 14 Tage in einem Auto auf unwegsamer Strecke ohne Schrauberkenntnisse - das ist nicht nur eine große Herausforderung, sondern ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Pro Tag wechselten die Frauen ihre Positionen im Auto: eine Fahrerin, eine Beifahrerin, die die Fahrerin entertainen sollte, und die Frau auf dem Rücksitz, die fürs Navigieren zuständig war.

Zum Anfang der Rallye lagen die Nerven blank

Nur einmal kam es zu einem großen Krach und das schon am zweiten Tag. Nach einer sehr knappen Vorbereitungsphase auf die Rallye waren die Frauen übernächtigt, die Suche nach einer Unterkunft dauerte lang - die Nerven lagen blank. Aber nachdem sie eine Nacht darüber geschlafen hatten, war der Streit schnell beiseite gelegt.

"Es wurden schon Co-Piloten am Nordkapp ausgesetzt, hat uns der Veranstalter erzählt. Eigentlich hatten sich bei unser Rallye eher die Männerteams in der Wolle."
Team "Drift Chicks"

Immer wieder musste das Team auch kleine Aufgaben lösen: An einem Tag bekamen sie Tüten mit Möhren- und Kohlestückchen, damit sie einen Schneemann bauen konnten, der dann für kurze Zeit auch ans Steuer durfte. Neben dem Spaß und Abenteuer, den die Frauen auf der Baltic Sea Circle Rallye erleben wollten, hatten sie sich auch das Ziel gesetzt, Geld für einen guten Zweck zu sammeln. 4390 Euro kamen dabei zusammen.

Ohne Spikes über Eis und Schnee

Während der Rallye gab es immer wieder Situationen, die brenzlig waren. Kurz vor einer Schlechtwetterfront - noch in Deutschland - ging ein Scheibenwischer kaputt. 

Bei eisglatter Fahrbahn ohne Spikes verloren die Frauen auch schon mal die Kontrolle über das Fahrzeug, einmal steckten sie danach in einer Schneewehe fest. Oder eine Sicherung im Auto flog heraus und eine neue musste erst besorgt werden. 

Die anderen Teams waren sehr hilfsbereit, das lag auch daran, dass sie nicht wollten, dass die Favoriten, die schon sieben oder acht Mal in Folge die Rallye gewonnen hatten, auch in diesem Jahr wieder gewinnen. 

Team "Drift Chicks" bei einer Schlittenhund-Tour.
Das Team "Drift Chicks" bei einer Schlittenhund-Tour.

Eines der Highlights: Einen halben Tag lang setzte das Team "Drift Chicks" aus, um mit Schlittenhunden eine Tour durch den Schnee zu machen. 

Letztendlich machte das Team den zweiten Platz. Nachts um vier Uhr hatten sie sich einmal verfahren und waren aus Versehen auf einem Autobahnzubringer gelandet. Das hatten sie dann im Fahrtenbuch vermerkt. Durch diesen unabsichtlichen Regelverstoß hatten sie ihre Führung an die Siegermannschaft verloren. 

Der gebrauchte Landrover, den ein Graffiti-Künstler für das Team von einem Nato-grün in ein pinkes Camouflage-Muster umgesprüht hatte, wurde gerade von der Steuer abgemeldet. Aber die Hamburgerinnen hatten Spaß an ihrer ersten Rallye und sind einer weiteren Tour nicht abgeneigt. 

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