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"Hitze" heißt das Romandebüt von Raven Leilani, das angeblich zu den Lieblingsbüchern von Barak Obama zählt. Darin nimmt uns die junge, schwarze Edie mit in ihr Leben in Brooklyn - und sie zeigt uns, wie sie sich über Wasser hält, wonach sie sich sehnt, wovor sie sich fürchtet.

Edie ist pleite, schon seit ihrem Kunststudium, das sie abgebrochen hat - für das sie aber immer noch den Studienkredit abbezahlt. Sie wurde aus dem Kinder- und Jugendbuch-Verlag aus der Lektorats-Koordination gemobbt und weiß nun nicht mehr, wie sie die Raten bezahlen soll.

Obdachlos ist Eddie auch: Ihre Vermieterin hat sie nach abgelaufener Frist vor die Tür gesetzt, weil sie die Miete für das Mauseloch nicht mehr aufbringen konnte. Sie weiß nicht, wo sie die Nacht verbringen wird. Ihre wenigen Habseligkeiten – den Grill-Toaster, die Leinwände und Farben – hat sie kostenpflichtig eingelagert.

Hunger nach Liebe und Anerkennung

Edie ist dreiundzwanzig und nicht nur hungrig nach Nahrung, wie jeder andere Mensch. Sie ist auch hungrig danach, gesehen zu werden. Ihre Mutter, ihr Vater, die waren nicht wirklich für sie da. Die die Mutter nicht, weil sie nicht konnte, der Vater nicht, weil er nicht wollte.

Erst als Edie feststellt, was Männer bereit sind, für sie zu tun, wenn sie bereit ist, alles für die Männer zu tun, fühlt sie sich sowas wie wahrgenommen. Beschimpft zu werden ist besser als ignoriert zu werden, meint sie. Und blaue Flecken auf ihrer Haut sind sichtbare Beweise für ihre Existenz.

Ein Spiel um Liebe und Zuneigung

Dann trifft Edie Eric: Doppelt so alt wie sie, gut situiert, verheiratet und weiß. Und während er ihr sofort von seiner Frau erzählt, dass sie die Regeln festlege für die Affäre, so verschweigt er ihr zunächst einiges. Zum Beispiel, dass er Vater von einem Mädchen ist. Einem schwarzen Mädchen: Akila.

Die Walkers haben Akila adoptiert. Und als Edie Akila zum ersten Mal sieht, zieht es ihr fast den Boden unter den Füßen weg. Sie sieht, das Akila unglücklich ist. Und Edie weiß sofort, warum. Sie beschließt, das Spiel der offenen Ehe mitzuspielen, das Rebecca offensichtlich spielen will. Sie beschließt, zu bleiben: bei diesen weißen Eltern und ihrem schwarzen Adoptivkind.

Das Buch: "Hitze" (OT: "Luster", 2020) von Raven Leilani, aus dem amerikanischen Englisch von Sophie Zeitz, Atlantik, 254 Seiten.