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Gehört Ihr auch zu den Menschen, die - wie unsere Autorin Lydia Herms - den Roman "Effi Briest" von Theodor Fontane entrüstet in den Papierkorb geschmissen haben, als er in der 10. oder 11. Klasse Pflichtlektüre war? Dann solltet Ihr dem Buch vielleicht nochmal eine neue Chance geben, findet sie.

Effis Mutter Luise hatte damals nicht den erstbesten genommen. Der war ihr nämlich zu jung und hatte weder Titel noch Hof. Also nahm sie Briest. Und genauso taktisch wie sie ihren eigenen Gatten ausgewählt hat, so taktisch geht Luise auch bei der Vermählung ihres einzigen Kindes vor.

"Am dritten Oktober soll es passieren. Dann soll aus der wilden Tochter eine brave Ehefrau werden. Aus Effi Briest wird die Frau vom Landrat."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Rezensentin

Es ist also kein Zufall, dass es sich bei Effis zukünftigem Ehemann um Luises verschmähten Verehrer handelt. So findet doch noch zusammen, was zusammengehört. Dass der Landrat Gert von Instetten 38 Jahre alt ist und Effi erst 17 stört offensichtlich niemanden. Zwischen Schaukel und Stachelbeeren kann sich Effi diese Ehe nur schön ausmalen. Davon träumt doch jedes Mädchen. Auch Hertha. Und Bertha. Und Hulda.

Gert oder Crampas?

Aber ganz so toll ist die Ehe dann doch nicht. Gert ist nie da für Effi. Bei Major Crampas ist das anders. Er ist ein Freund ihres Mannes, der häufig zu Besuch kommt. Er bringt Effi zum Lachen und zum Nachdenken. Er ist belesen und er hört gut zu. Erst spät erkennt Effi, was Crampas für sie ist. Nicht nur ein Freund, sondern ein Ausweg aus ihrer Isolation in der Ehe. Sie verliebt sich – und entscheidet damit über Leben und Tod.

Die "Effi" – Ein neuer Versuch

"Effi Briest" von Theodor Fontane war das "persönliche Hassbuch" unserer Autorin in ihrer Schulzeit. Jetzt, 20 Jahre später, fühlt sie sich erwachsener und hat im Fontane-Jahr 2019 einen neuen Versuch gewagt. 1894/95 wurde "Effi" übrigens erstmals abgedruckt – in der Zeitschrift "Deutsche Rundschau". 1896 ist die Geschichte dann als Buch erschienen. In der Reclam-Ausgabe kosten die 381 Seiten heute 5,80 Euro.