Egal, ob Außenstehende es gut finden - in dem Moment, in dem wir selbst Musik machen, finden wir sie toll, und sie macht uns glücklich. Wer sich dabei auch noch körperlich verausgabt, kann sich musikalisch berauschen.

Der Kognitions- und Neurowissenschaftler Thomas Fritz vom Max-Planck-Institut in Leipzig hat Fitnessgeräte entwickelt, mit denen auch völlig unmusikalische Menschen Musik machen können. Unsere Reporterin Fanny Kniestedt ist als Versuchskaninchen auf den Stepper gestiegen und hat mit dem Wissenschaftler gejammt. Fanny fand sich und ihre Musik in dem Moment toll. Der berauschende Effekt ist zwar hinterher verblasst und Fanny würde die Aufnahme niemals auf Youtube stellen - aber im Moment selbst, hat sie sich großartig gefühlt.

Was ist der Band-Effekt?

Aber wie kommt es, dass wir unsere Musik, während wir sie machen, toll finden und sogar bei körperlicher Verausgabung richtig in Ekstase geraten können, hinterher, wenn wir das Stück hören, aber eher denken: geht so? Thomas Fritz forscht schon länger zum sogenannten Band-Effekt, der genau dieses Phänomen beschreibt.

Musikempfinden im Gehirn

Unser ästhetisches Musikempfinden sitzt im Gehirn, sagt Thomas Fritz. Mit der Kernspintomographie kann er zeigen, wo dieses Empfinden genau stattfindet. Sobald wir Musik hören, die wir angenehm empfinden, springt die Larynxrepräsentation im Gehirn an. Das ist die Stelle, die mit dem Larynx, dem Kehlkopf, korrespondiert. Im Kehlkopf sitzen die Stimmlippen, die Töne erzeugen. Thomas Fritz erklärt, dass wir über die Larynxrepräsentation Musik immer ein Stück weit so hören oder empfinden, als würden wir sie selber machen.

Jymmin: Sportgeräte, mit denen man Übungen und Musik machen kann.
© dpa
Thomas Fritz untersucht im Labor den Band-Effekt.

Daraus leitet der Wissenschaftler ab: Wenn wir selbst aktiv Musik machen, empfinden wir sie als schön oder sogar schöner. Und dabei ist uns völlig egal, welchen Musikstil wir persönlich bevorzugen - Hauptsache selber machen.

In Trance flöten

Beim Volk der Mafa in Westafrika hat Thomas Fritz beobachtet, dass sie bei kompliziert zu spielender Flötenmusik beginnen zu hyperventilieren und dadurch in einen tranceartigen Zustand geraten. Dieses Phänomen versucht er, mit seinen selbstentwickelten Musikfitnessgeräten zu simulieren - Jymmin nennt er das. Durch die körperliche Anstrengung kann das Empfinden bei Musikmachern gesteigert werden: Die Musik wird als noch schöner wahrgenommen.

Ansatz für Therapieformen

Durch die eigene Musikproduktion bekommen wir das Gefühl, unser eigenes Leben tatsächlich in der Hand zu haben und zu steuern. Dieses positive Rundumgefühl wird zusätzlich durch das Gemeinschaftserlebnis gestützt, wenn wir als Band oder im Chor Musik machen: Wir übernehmen die soziale Verantwortung - auf ganz kleiner Ebene - den Beat aufrecht zu erhalten. Für uns ist dieses Musikerlebnis so genial, so belohnend, dass wir die Musik gar nicht anders als toll finden können.

Dieses absolut positive Erlebnis könnte möglicherweise auch zur Therapie psychischer Störungen gerade bei Menschen eingesetzt werden, die sonst keinen Bezug zur Musik haben.