Wer körperlich oder geistig eingeschränkt ist, dem wird eher davon abgeraten, als Künstler zu arbeiten. Ingo und Elias wagen den Schritt dennoch.

Ingo Patzers großer Traum: Er will fotografieren. Dazu inspiriert wurde er von seinem Vater, der selbst als Fotograf gearbeitet hat, als Ingo noch klein war. Weil Ingo eine Lernschwäche hat und schwerhörig ist, glaubten seine Eltern allerdings nicht, dass das der richtige Beruf für ihn sei.

"Ich fotografiere und beobachte gerne. Von Kindheit an bin ich fasziniert vom Thema Foto. Das kommt daher, dass mein Vater selbst Fotograf war."
Ingo Patzer, Fotokünstler

Ingo Patzer musste seinen Vater lange bequatschen, damit der ihm eine Kamera gab. Auch die Agentur für Arbeit war von Ingos Berufswahl nicht überzeugt und bot ihm eine Ausbildung zum Hilfskoch an. Die Stelle hat Ingo damals angenommen und danach noch in der Altenpflege gearbeitet.

Inzwischen hat sein Vater das Talent seines Sohnes erkannt und Ingo dabei geholfen, sich auf einen der zehn Plätze im Kunsthaus der Stiftung Gold-Kraemer zu bewerben.

Stiftung hilft Künstler mit Einschränkungen sich zu vermarkten

Einen weiteren der zehn Atelierplätze hat Elias von Martial erhalten. Er ist halbseitig gelähmt. Sein großer Traum: animierte Landschaften für Filmproduktionen zu entwerfen. Zwar hätten seine Eltern und Freunde ihn bei seinem Vorhaben unterstützt, aber Elias hatte nicht genug Selbstvertrauen, um sich bei einer Kunsthochschule zu bewerben.

Kunsthaus hilft bei der Professionalisierung

Jetzt unterstützen ihn das Kunsthaus und die dazugehörige Stiftung dabei, diesen nächsten Schritt zu gehen. Den Atelierplatz nutzt er, um eine Kunstmappe für seine Bewerbung fertigzustellen. Und das Kunsthaus hilft Elias dabei, Kontakte zu den entsprechenden Hochschulen in Düsseldorf und Köln aufzunehmen.

"Ich habe zwar Unterstützung von Eltern und Freunden gehabt, aber ich hätte es mir nicht zugetraut."
Elias von Martial, Grafiker und Zeichner

Melanie Schmitt von der Gold-Kraemer-Stiftung sagt, dass Inklusion nicht damit getan ist, dass Rollstuhlrampen und barrierefreie Toiletten gebaut werden. Sie sieht das Problem vielmehr darin, dass Menschen mit Behinderungen von der Gesellschaft nicht als Akteure wahrgenommen werden.

Ihre Aufgabe sieht sie darin, eine Art Agenturfunktion zu übernehmen, das heißt, die Künstler mit klassischem PR und Marketing dabei zu unterstützen, dass sie vom Kunstbetrieb stärker wahrgenommen werden.