Die Streifenköpfigen Bartagamen aus Australien können ihr Geschlecht je nach Temperatur ändern, und das auch in freier Natur. Bisher haben die Chromosomen der Echsen ihr Geschlecht festgelegt. Allerdings könnte es irgendwann keine echten Weibchen mehr geben.

Sie sehen aus wie stachelige kleine Drachen mit Schuppen am ganzen Körper und werden deshalb auch "Bearded Dragon" genannt, also "Bärtiger Drachen". Die Streifenköpfigen Bartagamen sind aber noch viel mehr, Transgender-Echsen nämlich. Die Echsen-Männchen können sich in Weibchen verwandeln, die sich sogar sehr gut fortpflanzen können. Das stellt ein Wissenschaftler-Team in dem Magazin Nature fest.

Wärme und Chromosomen bestimmen das Geschlecht

Das Geschlecht wird normalerweise über die Chromosomen festgelegt. Das ist bei den Echsen so ähnlich wie bei uns Menschen. Mal kurz an den Bio-Unterricht erinnern - Männer haben die Chromosomen XY, und Frauen haben zweimal das X-Chromosom, also XX.

"Bei den Echsen ist es so ähnlich, nur genau andersherum", erklärt Michael Bödekker von den DRadio-Wissen-Nachrichten. "Da haben die Weibchen zwei verschiedene Chromosomen, also zum Beispiel ZW, und die Männchen haben zweimal das Gleiche, also ZZ." Wenn sich nun zwei ZZ-Bartagamen paaren, kann daraus nur ein Männchen bestehen, das weibliche Chromosom W verschwindet in dieser Kombination.

"Innerhalb von ein paar Generationen könnte das weibliche Chromosom W komplett verschwinden. Dann gäbe es nur noch Männchen und Männchen, die später zu Weibchen geworden sind."
Michael Bödekker, DRadio-Wissen-Nachrichten

Ob aus einem Ei ein Männchen oder ein Weibchen schlüpft, ist von der Temperatur abhängig. "Wenn es besonders warm ist, also so ab 32 Grad Celsius, schlüpfen Weibchen", erklärt Michael Bödekker, "und wenn es kühler ist, kommen dabei Männchen heraus." Ursprünglich dachte die Wissenschaft, das entweder Chromosomen oder Temperatur über das Geschlecht entscheidet. Bei den Bargamen ist beides möglich.

Der Einfluss vom Klimawandel

Die Tiere leben in einer Gegend von Australien, in der die Temperatur in den vergangenen 40 Jahren besonders stark gestiegen ist. Nach Ansicht der Wissenschaftler zeige das, wie stark und schnell Klima-Extreme in die Biologie eines Organismus eingreifen können. Sie glauben, dass die weiblichen Geschlechtschromosomen der Bartagamen sogar ganz verschwinden könnten.