Menschen fühlen sich als Weltbürger. Die meisten jedenfalls - nur die Deutschen nicht. Das zeigt der Trend einer BBC-Studie. Gemeinsam mit anderen Industrienationen denken wir offenbar zuerst noch national.

Die BBC hat 20.000 Menschen aus 18 Ländern gefragt: Fühlt ihr euch als Weltbürger oder als Bürger eines Staates? In Schwellenländern wie China und Indien sagten die meisten Menschen: "Ja, ich bin Weltbürger!" 71 Prozent aller Chinesen beschrieben sich beispielsweise zuerst als "global citizen" und erst danach als Chinesen. Ganz anders in Deutschland. Hier konnten nur 30 Prozent etwas mit dem Begriff anfangen. So wenige wie noch nie - und die Studie wird immerhin seit 15 Jahren durchgeführt.

Unentschlossenheit und "Soul Searching"

Die Macher der Studie vermuten, dass es auch an der Flüchtlingssituation liegt. Die habe die deutsche Gesellschaft gespalten. Bei der BBC heißt es, die Deutschen seien gerade in einer Phase des "soul-searching". Die Finanzkrise von 2008 könnte ebenfalls ein Grund für einen zögerlichen Blick auf eine globalisierte Identität sein, meinen die Forscher. Auch bei anderen Fragen der Studie zeigten sich die Deutschen vergleichsweise unentschlossen: Etwa wie sie Ehen von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten finden.

In Nigeria, China, Peru und Indien sagten hingegen zwei von drei Menschen: "Ich bin ein Weltbürger." Zwei Gründe führen die Macher der Befragung hierfür an.

  1. China und Indien sind Länder, für die der weltweite Handel eine immense Rolle spielt und die Globalisierung eher als Plus wahrgenommen wird.
  2. Grundsätzliche Probleme mit der Idee einer nationalen Identität: Indien ist beispielsweise ein Vielvölkerstaat mit mehr als einer Milliarde Menschen.

Schwammiger Begriff

In einigen Ländern spielt die Staatsangehörigkeit vielleicht generell keine so große Rolle, stattdessen gibt es andere Bezugspunkte. Indonesien ist dafür ein extremes Beispiel. Die Menschen dort fühlen sich fast gar nicht als Indonesier, sondern sind eher mit ihrem Heimatort, mit ihrer Region verbunden.

Knackpunkt der Befragung, das sagt auch die BBC selbst, ist aber wohl der Begriff "Global Citizenship" - denn der ist ziemlich schwammig. Individuell wird er ganz unterschiedlich verstanden: mit freiem Handel, übergreifender Kommunikation oder Kultur assoziiert. Und eben negativ oder positiv wahrgenommen.