Beate Zschäpe sagt vor Gericht zu den NSU-Morden aus und inszeniert sich selbst als Opfer. Für die echten Opfer ist das eine unerträgliche Situation.

Die rechtsextreme Terrorgruppe NSU hat zehn Menschen getötet. Acht Menschen türkischer Herkunft, einer mit griechischen Wurzeln, eine deutsche Polizistin. Nun hat die mutmaßliche Mittäterin Beate Zschäpe vor Gericht ihre Aussage vorlesen lassen: Sie hat sich entschuldigt und Wissen und Mittäterschaft abgestritten. Die Angehörigen der Opfer sind entsetzt.

"Die Angeklagte hat wieder eine Bühne bekommen und ein Theaterstück inszeniert. Das war für uns eine ganz unerträgliche Situation."

Es war Tag 251 des Prozesses. Beate Zschäpe habe sich selbst als Opfer präsentieren lassen, sagt Bianca Biwer, Geschäftsführerin beim Weißen Ring, dem Verein für Opferhilfe. Dabei wäre es für die echten Opfer - die Angehörigen der ermordeten Menschen - besonders entscheidend, dass sie brauchbare Informationen aus dem Prozess bekommen und nicht nur unglaubwürdige Entschuldigungen: "Das Wissen um den Sachverhalt ist ein ganz wichtiges Bedürfnis, um die Traumata verarbeiten zu können", sagt Biwer.

Die Medien berichten, was Zschäpes Haare machen

Bianca Biwer kritisiert auch die Rolle der Medien, die aus der vergleichsweise überschaubaren Bühne im Gerichtssaal, eine riesengroße Plattform für die ganze Welt machen. "Die Medien berichten, wie Zschäpe auftritt, was sie anhat, was ihre Haare machen", sagt Biwer. "Das ist für die Opfer unerträglich." Ein Gerichtsprozess sei immer eine Belastung für die Opfer. Die große Inszenierung sei noch schwieriger auszuhalten.

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