Unser Kaffee kommt meist von Plantagen – genauso wie Kakao oder Weihnachtsbäume. Von diesen Zuchtpflanzen gibt es einige, aber die wilden Arten sind nicht ausreichend geschützt – das könnte zum Problem werden.

Der Prozess ist schon im vollen Gange: Wir verlieren unsere Pflanzenvielfalt. Um das zu verhindern, gibt es verschiedene internationale Abkommen - wie zum Beispiel die Aichi-Konvention der Vereinten Nationen. Aber wie die Forscher vom International Center for Tropical Agriculture in Kolumbien jetzt herausgefunden haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir diese Ziele wie vorgesehen bis 2020 erreichen, nicht so groß. Einer der Forscher sagt sogar: Wir werden diese Ziele auf keinen Fall erreichen.

Wenn wilde Arten aussterben, fehlt die Grundlage zum Züchten

Zu diesen gefährdeten Arten gehören auch Kaffee, Kakao und Weihnachtsbäume – denn die wilden Arten sind nicht ausreichend geschützt. Auf unseren Konsum dieser Pflanzen hat das im ersten Moment keinen großen Einfluss, denn wir kaufen Produkte, die auf der Plantage angebaut wurden. Aber langfristig schrumpft die auch die Grundlage für das Züchten, wenn die wilden Arten aussterben. 

"Wenn die wilden Arten aussterben, dann heißt das eben: weniger Vielfalt. Und es heißt auch, dass die Grundlage für die Züchtung schrumpft."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Die Erkenntnis der Forscher basiert auf einem riesigen Datensatz mit über 43 Millionen Einträgen aus jedem Land der Erde. Die Forscher haben für jede Pflanzenart Punkte vergeben, von 0 bis 100 – ab 75 Punkten gilt eine Art als "ausreichend geschützt". Das Ergebnis ihrer Auswertung ist ein Indikatorwert, der für insgesamt fast 7000 Pflanzen angibt, wie gut jede Einzelne davon geschützt ist. Dabei mussten die Forscher feststellen, dass weniger als 3 Prozent von all diesen Pflanzen 75 Punkte erreichen.

Südkorea, Botsuana und Chile liegen weit vorne beim Artenschutz – Kanada und die USA weit hinten

Die wilden Pflanzenarten lassen sich am besten direkt vor Ort durch Naturschutzgebiete oder Nationalparks schützen. Genauso sinnvoll ist das gezielte Anbauen in botanischen Gärten oder durch Samenbänke. Aber botanische Gärten oder Samenbänke dieser Art gibt es nur wenige – darum kümmert sich kaum jemand. 

Manche Länder sorgen allerdings besser für den Erhalt bedrohter Pflanzenarten als andere: Insgesamt liegen Südkorea, Botsuana und Chile weit vorne beim Artenschutz. Was den Schutz des natürlichen Lebensraums der Pflanzen angeht, sieht es in Nordeuropa ganz gut aus – auch bei uns in Deutschland. Außerdem läuft es auch in Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Panama und Costa Rica gut. 

Negativbeispiele liefern dagegen China, Indien und Südostasien – und auch Kanada und die USA tun zu wenig, sagen die Forscher. Die beiden nordamerikanischen Länder liegen mit dem Erfolg ihrer Bemühungen im Vergleich sogar noch hinter allen afrikanischen Ländern.