Wir schauen noch die eine Folge der Serie oder checken schnell noch Instagram – obwohl unser Wecker in fünf Stunden klingelt. Was hinter dem Phänomen Bedtime Procrastination steckt und warum wir das immer wieder machen.

Das endlose Hinauszögern vom Schlafengehen hat einen Namen: Bedtime Procrastination. Die Sozial- und Verhaltensforscherin Floor M. Kroese von der niederländischen Universität Utrecht hat das Phänomen erstmals 2014 benannt.

"Das bedeutet, dass du dich nicht gut dazu zwingen kannst, das Smartphone wegzulegen oder den Laptop zuzuklappen und schlafen zu gehen", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Kohn. Wir schieben den Schlaf mutwillig und entgegen besseren Wissens auf, obwohl es nicht notwendig ist.

Gründe für Bedtime Procrastination

Kroese machte als Grund dafür mangelnde Selbstkontrolle aus. Menschen, die in einem Lebensbereich prokrastinieren, machen das wahrscheinlich auch beim Schlafen. Hier gibt es einen Test der Universität Münster, der zeigt, wie stark das eigene Aufschiebeverhalten im Vergleich zu dem anderer Menschen ist.

Doch nicht alle Wissenschaftler*innen teilen diese Auffassung. So fand die Forscherin Jana Kühnel von der Universität Wien heraus, dass es nicht unbedingt an der fehlenden Selbstkontrolle liegt, ob Bedtime Procrastination bei uns auftaucht oder nicht.

Demnach neigen späte Chronotypen, die auch als Abendtypen oder Eulen bekannt sind, an Arbeitstagen stärker zu Bedtime Procrastination als die sogenannten Frühtypen bekannt als Lerchen.

"Wenn du dadurch dauerhaft zu wenig Schlaf bekommst, dann kann das letzten Endes Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Depressionen begünstigen."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Kohn über mögliche Folgen von Bedtime Procrastination

Wenn wir Schlaf aufschieben, dann kann sich das auch auf unsere Gesundheit auswirken. Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes oder Depressionen können die Folge sein. "Direkt am nächsten Tag sind die Auswirkungen besonders fies: Wenn du tagsüber übermüdet bist, dann neigst du zu schlechterer Selbstkontrolle", sagt Anna Kohn.

Das wiederum kann dazu führen, dass uns alles anstrengender vorkommt und wir uns deshalb nicht dazu aufraffen können, uns um unsere Gesundheit zu kümmern – also beispielsweise Sport zu machen oder uns etwas Gesundes zu kochen.

Drei Tipps gegen Bedtime Procrastination

Die gute Nachricht ist, dass wir alle etwas gegen Bedtime Procrastination tun können – zumindest ein bisschen. Anna Kohn hat drei Tipps gesammelt.

  • Klare Regeln:
    "Wenn Insta oder Tiktok dein Problem sind, dann nehme dein Handy nicht mit ins Schlafzimmer", sagt Anna Kohn. "Auch Youtube, die ARD-Mediathek und selbst ein Deutschlandfunk-Nova-Podcast sollten eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen ausgeschaltet werden."
  • Abendroutine überprüfen:
    Oft ist in unserer Abendroutine noch Platz für ein neues Ritual, das uns entspannt und uns so besser aufs Einschlafen vorbereitet.
  • Aufschieberei hinterfragen:
    "Es ist hilfreich, sich anzugucken, was dieses Aufschieben für dich genau erfüllt", sagt die Deutschlandfunk-Nova-Reporterin. "Wenn es sich um Sachen handelt, die dir Spaß machen, dann solltest du dir schon tagsüber dafür Zeit einplanen. Wenn es dich hingegen von einem anderen Problem ablenkt, dann solltest du besser das eigentliche Problem angehen."