Menschen, die auswandern, sind meist jung und gut ausgebildet und gehen wegen der Karriere ins Ausland.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden hat rund 10.000 Menschen befragt, warum sie ins Ausland gehen. Von den Befragten sind 63 Prozent zwischen 25 und 39 Jahre alt. Jährlich machen sich rund 180.000 auf den Weg. Es sind vor allem Akademikerinnen. Überproportional viele der Ausgewanderten haben den Materabschluss oder sogar die Promotion im Gepäck.

Auswanderung als Karriereschritt

Andreas Ette, Politologe, Mitautor der Studie und Forschungsgruppenleiter, sagt, dass berufliche Gründe das Hauptmotiv seien.

"Bei den meisten würden wir das als logischen nächsten Karriereschritt interpretieren, der aber dann auch nicht für immer angelegt sein muss und komplett diesem Bild von der gescheiterten Auswanderung widerspricht."

Den hohen Anteil an Akademikern erklärt Andreas Ette auch damit, dass sie besonders stark dabei gefördert werden, im Ausland zu studieren, forschen und arbeiten.

"In anderen Berufszweigen wird zwar mittlerweile auch versucht, internationale Mobilität zu fördern. Unsere Befunde sprechen dafür, dass man diese Förderung für andere Berufsfelder weiter stärken sollte."

Das lohnt sich auch finanziell für die Auswanderinnen: Der monatliche Nettoverdienst steigt laut der Studie durchschnittlich um monatlich 1186 Euro. Dafür haben die Forschenden das Einkommen vor und während des Auslandsaufenthalts verglichen. Ökonomisch gesehen ist die Zeit im Ausland für die Mehrheit der Befragten vorteilhaft. Andreas Ette vermutet, dass einige nach ihrer Rückkehr mit Beförderungen rechnen konnten.

"Der Beruf, den ich in Deutschland bisher gemacht habe und der Beruf, den ich im Ausland mache ist im Prinzip der gleiche. Aber das Gehalt steigt und die Verantwortung."

Mehr als 60 Prozent der Befragten geben an, dass sich ihr persönliches Einkommen, das Haushaltseinkommen und ihr Lebensstandard nach dem Umzug ins Ausland verbessert haben.

Sozial-emotionale Herausforderungen

Ungünstig wirkt sich der Umzug ins Ausland hingegen auf den Freundes- und Bekanntenkreis aus. Diesen Bereich möchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch genauer untersuchen. Sie vermuten, dass diese negativen sozialen Effekte von Auswanderung zeitlich begrenzt sind.

Den Ausgewanderten stehen 129.000 Rückkehrerinnen gegenüber. Unterm Strich bleiben - trotz sozial-emotionaler Herausforderungen - ziemlich viele im Ausland.