Für uns ist der Shutdown noch ziemlich neu. Aber schaut man in die Geschichte, sieht man: Schon früher gab es zur Bekämpfung von Seuchen ähnlich wie heute Ausgangsbeschränkungen, Veranstaltungsabsagen und geschlossene Unis. Die Uni Wien beispielsweise machte im Schnitt alle 15 bis 20 Jahre für ein paar Monate dicht.

Auch wenn einige Geschäfte wieder aufgemacht haben, mit dem normalen Leben von vor der Pandemie hat das alles ja noch nichts zu tun. Die vielen Einschränkungen, die wir alle in unserem alltäglichen Leben spüren, sind für uns neu. So etwas gab es noch nie. Zumindest nicht in unserem Leben.

Unis zwischen 1400 und 19. Jahrhundert oft geschlossen

Schaut man in die Geschichte, sieht das aber ganz anders aus. Eine Art Shutdown kannten die Menschen früher ziemlich gut, hat eine Forscherin der Uni Wien jetzt herausgefunden. Sie hat sich alte Dokumente der Universität angeschaut, aus denen hervorgeht, dass die Uni zwischen 1400 und dem 19. Jahrhundert sehr häufig wegen Seuchen geschlossen war, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ann-Kathrin Horn.

"Laut der Unterlagen war die Universität in Wien früher – also im Mittelalter, um 1400, bis ins 19. Jahrhundert – im Schnitt alle 15 bis 20 Jahre wegen irgendeiner Seuche geschlossen."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Alle 15 bis 20 Jahre war die Uni Wien früher wegen Seuchen geschlossen. Das belegen alte Dokumente der Universität oder Bekanntmachungen der Stadt Wien und alte Zeitungsartikel, die die stellvertretende Archiv-Leiterin der Uni Wien zusammengetragen und ausgewertet hat.

Uni-Schließungen wegen "Pest"

Um welche Seuchen es sich dabei im Einzelnen handelte, lässt sich nur noch schwer nachvollziehen, da meist schlicht "Pest" als Grund angegeben war. Laut der Forscherin wird es sich in vielen Fällen auch um die Pest, also die Beulenpest, an der so viele Menschen in Europa gestorben sind, gehandelt haben. Möglich seien aber auch ansteckende Darmkrankheiten, die durch verdorbenes Essen und Wasser hervorgerufen wurden, sagt sie.

Die Schließung der Uni Wien war aber nur ein Bestandteil der Maßnahmen. Ähnlich wie heute wurden Veranstaltungen abgesagt, Bars und Kneipen geschlossen und Kontakte beschränkt.

"Man hat versucht, die Kranken zu isolieren. Das hieß damals: Wenn eine Region betroffen war, dann ließ man erst mal noch die Gesunden raus, aber keinen mehr rein."
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk Nova

Natürlich sind wir heutzutage medizinisch auf einem anderen Stand und können viel gezielter Schritte zur Eindämmung des Covid-19-Virus einleiten. Dennoch waren die Maßnahmen früher sehr ähnlich zu den heutigen. Auch damals schon haben sich Experten in Krisenstäben zusammengetan und beraten und auch damals machte man sich Gedanken über die wirtschaftlichen Folgen.