Bis heute Abend (15. Juli, 21:56 Uhr) arbeiten wir für den Staat. Danach geht das erarbeitete Geld zum ersten Mal in diesem Jahr in unsere Tasche. Das ergibt eine Berechnung des Bundes der Steuerzahler.

53,7 Prozent müssen wir dem Bund der Steuerzahler zufolge, als Durchschnittsverdiener abgeben. Heißt auf einen Euro runtergebrochen: Uns bleiben von jedem verdienten Euro 46,3 Cent zur freien Verfügung. Die Berechnungen basieren auf repräsentativen Haushaltsumfragen des Statistischen Bundesamtes.

Deswegen hat der Bund der Steuerzahler den Steuerzahlergedenktag ausgerufen: Denn rein rechnerisch arbeiten die Durchschnittsdeutschen eben bis zum 15. Juli ausschließlich für den Staat.

Singles arbeiten noch mehr für den Staat, Frauen sind schlechter gestellt

Durchschnittsdeutsche bedeutet auch: Streng genommen, gilt dieser Tag nicht für alle, sondern den durchschnittlichen Arbeitnehmer-Haushalt. Dafür wurden unter anderem verschiedene Steuerklassen oder Daten von Single- und Familienhaushalten berücksichtigt.

Single-Haushalte müssen im Vergleich zu Mehr-Personen-Haushalten mehr Steuern zahlen. Den Berechnungen zufolge müssen Singles sogar bis zum 19. Juli für den Staat arbeiten, während Mehr-Personen-Haushalte seit dem 14. Juli schon für sich wirtschaften.

"Zwischen den Geschlechtern ist es so, dass Frauen in der Tendenz etwas schlechter gestellt sind."
Mischa Ehrhardt Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftskorrespondent

Tendenziell sind Frauen den Berechnungen zufolge schlechter gestellt, sagt unser Korrespondent. Das liege unter anderem an dem Ehegatten-Splitting. Mehr Details gebe es in der Veröffentlichung des Bunds der Steuerzahler dazu nicht.

Gute Steuern, schlechte Steuern

Forderungen des Vereins, um die Abgaben auf unter 50 Prozent zu senken: den Solidaritätszuschlag abschaffen, die Einkommenssteuer reformieren, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung senken. In Teilen werden Vorschläge wie diese schon diskutiert, sagt Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftskorrespondent Mischa Ehrhardt. Der Solidaritätszuschlag solle beispielsweise verändert werden und geringer ausfallen.

"Da sind einige Forderungen drin beim Bund der Steuerzahler, wo man sagen kann: Da kann man schon Einiges machen."
Mischa Ehrhardt Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftskorrespondent

Auch die Forderung, die Einkommenssteuer zu reformieren, stoße bei vielen auf offene Ohren, so Mischa Ehrhardt. Denn der Spitzensteuersatz beginnt aktuell bei circa 54.000 Euro pro Jahr – rund 4 Millionen Menschen verdienten über dieser Grenze. Die Aussagen variieren hier. Nach Auskunft der Parlamentarischen Staatssekretärin Christine Lambrecht vom 24. Mai 2018 sind es im Jahr 2019 voraussichtlich 2,9 Millionen Steuerpflichtige. Eine Idee wäre, die Grenze nach oben zu verschieben.

"Man kann natürlich auch die Position einnehmen, dass man von dem Geld wieder etwas zurückbekommt."
Mischa Ehrhardt Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftskorrespondent

Unser Korrespondent sagt aber auch: Egal, ob in der Bildung, im Bereich Sicherheit oder beim Verkehr, es gibt Ausgaben des Staates, die finanziert werden wollen. Man könne auch die Position einnehmen, dass Teile der Abgaben für jede und jeden Einzelnen wieder zurückkommen, nur in einer anderen Form.