Die Schlange wird kürzer und kürzer - plötzlich steht er vor uns, der Türsteher. Jetzt bloß das richtige Gesicht machen, sonst ist der Abend gelaufen. Der Berghaintrainer hilft uns durch die Tür.

"Warst du schon mal hier? Weißt du, wer heute auflegt? Hast du was genommen? Ja, komm rein." So läuft es im Idealfall an der Tür zum Club. Und so läuft es auch beim Berghaintrainer - manchmal. Die Onlineanwendung simuliert das Gespräch mit dem Türsteher an der Clubtür. Am Rechner müssen Mikro und Kamera angeschaltet sein und schon spüren wir, ob wir beim finsteren Mann an der Türe ankommen oder eine Abfuhr kriegen.

"Wir wollten mit den Möglichkeiten spielen, die der Browser heute bietet: Kamera, Eingabe, Gesichtserkennung, Spracherkennung."

Im wahren Leben gibt es zwar so gut wie kein Gespräch an der Berghain-Türe, erklärt Vinzenz Aubry, der das Spiel mitentwickelt hat. Aber die Idee war, eine solche Situation mit den technischen Möglichkeiten nachzubauen. Auf der Seite berghaintrainer.com hat er mit seinem Kommilitonen Fabian Burghardt das Szenario vorm Türsteher reproduziert. Die beiden studieren Kommunikationsdesign an der HTW Berlin.

Beim Berghaintrainer läuft der Benutzer im First-Person-View auf das Berghain zu, die Schlange entlang, bis zum fiktiven Türsteher. Den Blick ins Gesicht des willigen Clubbesuchers übernimmt die Kamera am Rechner. Emotionen im Gesichtsausdruck spielen eine Rolle. Trotz richtiger Antworten kann die Türe verschlossen bleiben. Wie in echt.

Das Berghain hat sich für die beiden Entwickler angeboten, weil es immer noch als härteste Türe der Republik gilt. Es hätte aber auch ein anderer Club sein können, geben sie zu. Böse gemeint, ist es zumindest nicht. Trotzdem hat es einen ganz besonderen Reiz, wenn der virtuelle Kollege von Sven Marquardt wissen will, ob wir schon mal hier waren.

Berghain-Türsteher Sven Marquardt (05.08.2014) in Berlin
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Der echte Mann an der Berghaintüre: Sven Marquardt