Im Jahr 1989 fiel die Mauer. Zurück blieb eine Narbe – ein leerer Streifen, der sich in Berlin mitten durch die Stadt zog. Heute wachsen dort Bäume und Pflanzen, es gibt Tiere, Kletterfelsen und Freizeitparks. Ein einmaliges Biotop. Ein Vortrag des Stadtökologen Ingo Kowarik.

Als die innerdeutsche Grenze geöffnet wurde, war die Mauer nicht von einem auf den anderen Tag verschwunden. Natürlich markierte das Bauwerk noch die ehemalige Grenze. Erst nach und nach bekam sie Löcher und wurde schließlich weitgehend abgerissen.

Ehemaliger Todesstreifen wird zum Rad- und Wanderweg

Heute lebt der ehemalige Todesstreifen. Dort, wo in Berlin früher die Mauer stand, gibt es jetzt den Mauerweg. 160 Kilometer einmal rund herum ums ehemalige West-Berlin. Der Mauerstreifen ist Rad- und Wanderweg, es gibt Kirschbaumalleen und Birkenwälder, Kletterfelsen und Schaukeln. Diese Grünfläche ist ein seltenes und wertvolles Gut, gerade in einer Großstadt wie Berlin. sagt Ingo Kowarik, Stadtökologe von der Technischen Universität Berlin.

"Nach 1989 begann eine wilde Naturdynamik. Die Wüste begann auf einmal aufzubrechen."
Ingo Kowarik, Stadtökologe
Der ehemalige Grenzstreifen in Berlin ist heute der Mauerweg.
© dpa
Ehemaliger Grenzstreifen in Berlin.

Entlang der ehemaligen Grenze hat sich ein einzigartiges neues Biotop entwickelt – mit großem Nutzen. Denn das Leben, das hier entstanden ist, kann der Stadt zum Beispiel helfen, mit den Folgen des Klimawandels zurecht zu kommen.

"Das hat auch eine symbolische Bedeutung: Wir erkennen, dass ein Ort, der ein Ort des Todes war, ganz schnell den Keim des Lebens in sich trägt."
Ingo Kowarik, Stadtökologe

Ingo Kowarik ist Professor am Institut für Ökologie an der Technischen Universität Berlin und Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftsplanung des Landes Berlin. Seinen Vortrag "Der Mauerstreifen als Ökosystem für die Stadt" hat er am 6. Dezember 2019 auf der Tagung "Die Mauer als Ressource" in Berlin gehalten. Organisiert wurde diese Tagung von der Stiftung Berliner Mauer.