Den dritten Versuch im Jahr 1596/97, einen nördlichen Seeweg von Europa nach Asien zu finden, überleben der Seefahrer Willem Barents und einige seiner Crewmitglieder nicht, nachdem sie gezwungen sind in der Arktis zu überwintern, weil ihr Schiff im Eis festfriert.

Es ist ein beschwerlicher, kaum zu bewältigender und vor allem langer Weg, wenn im 16. Jahrhundert ein Händler mit dem Schiff seine Waren vom niederländischen Amsterdam nach Hongkong bringen will.

Der Seeweg führt ihn um den afrikanischen Kontinent herum, durch den Indischen Ozean und das südchinesische Meer, bis er mit seinem Schiff an Vietnam vorbei ist und rund 25.000 Kilometer später in der chinesischen Metropole ankommt.

Niederländische Händler importieren von dort Gewürze, Tee, Seide und vieles mehr, aber der Transport und die Gefahren, die unterwegs lauern, bereiten ihnen schon immer Kopfzerbrechen.

"Das ist gewiss in geographischer Hinsicht eine Fahrt ins Unbekannte in einer Zeit mit sehr begrenzten Navigationsmitteln."
Frederic Theis, Historiker und Schifffahrtexperte

Viel einfacher und vor allem 10.000 Kilometer kürzer wäre der Weg von Amsterdam zwischen Norwegen und Spitzbergen hindurch zur Nordspitze Russlands und zur Meerenge zwischen Alaska und dem östlichsten Zipfel Russlands. Anschließend durch das Beringmeer und den Pazifischen Ozean nach Hongkong.

Ein Denkmal für den Seefahrer Willem Barents
© imago | Robert Poorten
Willem Barents gilt als Entdecker Spitzbergens. Der erste europäische Entdeckungsreisende der Neuzeit, der eine Überwinterung in der Arktis unternahm.

Diese Nordostpassage würde viele ihrer Probleme lösen, aber noch hat niemand den Weg durch die meterdicken Eisberge der Arktis gefunden. Willem Barents will im Auftrag niederländischer Kaufleute diese Route erkunden und für Handelsschiffe nutzbar machen. Nach zwei abgebrochenen Versuchen bricht er am 10. Mai 1596 von Amsterdam ein drittes Mal auf, um die Nordostpassage zu entdecken.

Fünf Crewmitglieder sterben an den Strapazen - auch Willem Barents

Auch dieser Versuch scheitert an den Eismassen, die eine Weiterfahrt seines Schiffes verhindern. Willem Barents und seine Crew frieren ein und versuchen zu "überwintern". Aber die Strapazen sind zu groß: Am 14. Juni 1597 versuchen einige Crewmitglieder mit kleineren Booten die Mündung eines russischen Flusses zu erreichen.

Fünf von ihnen sterben bei diesem Versuch an Entkräftung und Erfrierungen – unter ihnen Willem Barents. Die übrigen Mitglieder der Bootsbesatzung können sich retten.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Historiker und Schifffahrtsexperte Frederic Theis vom deutschen Schifffahrtsmuseum berichtet über die drei Versuche von Willem Barents, die Nordostpassage zu entdecken.
  • Der Militärökonom Marcus Keupp schildert die militärische und ökonomische Bedeutung der Nordostpassage.
  • Der Kapitän und Nautiker Thilo Natke fährt mit einem Luxusliner durch die Nordostpassage und bietet eine Kreuzfahrt der etwas anderen Art.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld geht zurück zu den Anfängen der See-Expeditionen des 15. und 16. Jahrhunderts.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Krinner schildert die Expedition von Willem Barents 1596/97.
In diesem Beitrag enthaltene Kapitel:
  • Beitrag von Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Krinner
  • Historiker und Schifffahrtexperte Frederic Theis
  • Militärökonom Marcus Keupp
  • Kapitän und Nautiker Thilo Natke
  • Eine Stunde History
  • Moderation:  Markus Dichmann
  • Gesprächspartner:  Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte