Die Stellenangebote sind aufgrund der Corona-Pandemie zurückgegangen. Zudem beschäftigen viele Firmen ihre Mitarbeiter zurzeit in Kurzarbeit. Das erschwert die Jobsuche für Berufseinsteiger.

Viele, die eine Berufsausbildung beendet oder ein Studium abgeschlossen haben, sind momentan auf Jobsuche. Henn ist eine von ihnen. Sie hat Deutsch als Fremdsprache, Genderstudies und Kulturwissenschaften studiert. Ihre Ausrichtung ist speziell und das Stellenangebot knapp.

Trotzdem hatte sie sich aufgrund ihrer Berufserfahrungen, die sie bereits gesammelt hatte, gute Chancen ausgerechnet. Inzwischen sucht sie aber schon seit fast einem Jahr nach einer Stelle.

"Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern ist tatsächlich regelrecht eingebrochen. Die neu gemeldeten Stellen sind mehr als die Hälfte niedriger als vor einem Jahr."
Iris Löhner, Pressesprecherin der Bundesagentur für Arbeit

In den Antworten, die Henn auf ihre Bewerbungen erhält, verwiesen viele Firmen darauf, dass die bereits angestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit seien, und dass die Institutionen und Unternehmen selbst nicht genau wüssten, wie es mit den ausgeschriebenen Stellen weitergehe.

Oft bekommt Henn die Rückmeldung, dass die Firmen sich zu einem späteren Zeitpunkt melden würden, aber dass sie nicht genau sagen könnten, in welchem Zeitraum das passieren werde.

Bundesagentur für Arbeit: Zahl der neu gemeldeten Stellen hat sich halbiert

Potenzielle Arbeitgeber seien durch die Corona-Pandemie verunsichert, bestätigt auch die Pressesprecherin der Bundesagentur für Arbeit Iris Löhner. Darauf führt sie auch zurück, dass, im Vergleich zum Vorjahr, nur noch halb so viele neue Jobs von den Firmen gemeldet werden.

"Am Anfang war ich noch überrascht, weil ich dachte, es wird keine Ausschreibungen geben. Habe dann aber festgestellt, es sind doch noch recht viele, aber ich merke schon, wie es jetzt langsam weniger wird."
Henn, Hochschulabsolventin auf Jobsuche

Fortbildungsangebote nutzen

Henn vermisst zurzeit auch die Möglichkeiten zu netzwerken und die Möglichkeit neue berufliche Kontakte zu knüpfen. Antje Schultheis ist Karriereberaterin mit Schwerpunkt gemeinnützige und politische Arbeit. Sie empfiehlt fürs Netzwerken die Teilnahme an Online-Seminaren, sogenannte Webinaren, die am besten zum eigenen Fachgebiet passen.

"Da ist immer die Möglichkeit, dass sie sich selber auch per Wortmeldung oder im Chat mit einer klugen Frage hervortun. Und umso schneller können Sie auch ihrem Kontakt hinterher mailen."
Antje Schultheis, Karriereberaterin

Die Karriereberaterin empfiehlt, Absolventinnen wie Henn, im Netz sowohl nach Angeboten von der Arbeitsagentur als auch von freien Trägern zu suchen.

Die Teilnahme an solchen Webinaren übernehme teilweise das Arbeitsamt, nicht nur wenn man arbeitslos ist, sondern auch, wenn man arbeitssuchend gemeldet ist. Manchmal bestehe auch die Option, einen Bildungsgutschein dafür zu beantragen, sagt Antje Schultheis.

"Webinare kann man als Fortbildungen bezeichnen und dann kann man diese Lücke einkleiden als Phase der Fortbildung."
Antje Schultheis, Karriereberaterin

Die Teilnahme an Webinaren kann auch für den Lebenslauf nützlich sein: Die kann man als Fortbildungen bezeichnen und damit Lücken im Lebenslauf schließen, die durch die Arbeitssuche entstanden sind.

Auf eigene Stärken fokussieren

Außerdem empfiehlt die Karriereberaterin Antje Schultheis Berufseinsteigerinnen wie Henn, sich auf die eigenen Stärken zu fokussieren. Die Voraussetzungen, die viele Absolventinnen wie Henn mitbringen sind, dass sie thematisch flexibel sind, jederzeit mit der Arbeit beginnen könnten und anderen oftmals mit ihrem digitalen Wissen voraus seien. Antje Schultheis rät, diese Vorteile bei der Jobsuche einzusetzen.