Wer die Pille nimmt, macht normalerweise alle drei Wochen eine Pause und kriegt dann seine Tage. Der größte Berufsverband für Sexualgesundheit in Großbritannien empfiehlt Frauen jetzt, die Pille länger am Stück zu nehmen. Das habe keine gesundheitlichen Nachteile und sei sicherer. 

In einer Pressemitteilung des Berufsverbandes für Sexualgesundheit in Großbritannien heißt es, es gebe keine gesundheitlichen Vorteile, wenn Frauen eine Pillenpause einlegen. Stattdessen könnten sie problemlos die Pille mehrere Monate am Stück nehmen und potenziell sogar gar keine Pause einlegen. Das mache die Verhütung sicherer, sagt der Verband, weil die Pille dann seltener vergessen werde. Vermieden werden könnten außerdem Blutungen und Nebenwirkungen, wenn Frauen die Pille länger am Stück verwenden würden. 

Der Berufsverband der Frauenärzte in Deutschland sieht das ähnlich. Auf der Website des Berufsverbandes steht ebenfalls ganz klar, dass die pausenlose Einnahme sicherer sei und weniger Nebenwirkungen habe. Dieser sogenannte Langzyklus biete sich vor allem für Frauen an, die oft Probleme in der Pillenpause hätten. Etwa starke Bauchschmerzen oder Migräneanfälle.

Die Blutung während der Pillenpause ist keine echte Periode

Und auch die natürliche Regelblutung werde nicht unterbunden, wenn die Pille ohne Pause eingenommen werde, sagt Tobias Jobke aus der Wissensnachrichten-Redaktion. Denn die Blutung, die in der einwöchigen Pillenpause einsetze, sei ohnehin keine echte Periode: In der Pillenpause sinke bei der Frau der Hormonspiegel und dadurch würde die Gebärmutterschleimhaut, die sich bis dahin aufgebaut habe, abgestoßen. Diese Schleimhaut sei aber anders beschaffen als die, die sich im Laufe eines natürlichen Zyklus bildet. Und es sei keine unbefruchtete Eizelle dabei. Es handele sich deswegen nur um eine Pseudomenstruation. Und diese Pseudomenstruation könne sich die Frau auch sparen. 

Trotzdem sind in einer Pillenpackung immer 21 Tabletten und viele Ärzte empfehlen, nach jeder Packung sieben Tage Pause zu machen. Wie der britische Telegraph berichtet, hätten die Entwickler der Pille offenbar in den 50er Jahren versucht, ihre Anwendung dem echten Menstruationszyklus so ähnlich wie möglich zu machen - in der Hoffnung, dass Papst und Kirche sie dann akzeptierten. Was übrigens nicht geklappt hat. Die päpstliche Enzyklika von 1968 verbietet es Frauen, die Antibabypille zu nehmen – und das bis heute.

Umstellung auf Langzyklus problemlos möglich

Der Berufsverband der Frauenärzte in Deutschland hat keine Bedenken, wenn Frauen, die die Pille momentan noch im 21-Tage-Rhythmus nehmen, künftig auf die Pause verzichten. Denn der Körper gewöhne sich schnell an die neue Situation, so Tobias Jobke. Ganz ohne Pause ginge es aber wegen der Gebärmutterschleimhaut nicht. Es reiche aber, die Pillenpause nach drei Monaten statt nach drei Wochen einzulegen. Lediglich am Anfang dieses Langzyklus könne bei manchen Frauen das Risiko für Zwischenblutungen etwas höher sein. Am besten also einfach mal bei der Frauenärztin nachfragen.