Andere totlabern und überrollen: Besserwisserei ist eine echte Plage. Die Psychologin Denise Ginzburg hat viel Verständnis dafür. Echte Gegenmittel hat sie auch.

Pandemieschlaumeierei, Hobbyvirologie und Fussbalgenie – Mund auf und schon das Gelaber los. So kennen wir besserwisserische Menschen. Obendrauf noch eine gehörige Portion Sendungsbewusstsein. Hinter dieser Fassade ist diese Menschengruppe ziemlich unsicher, sagt Psychologin Denise Ginzburg. Sie beschreibt die Problemgruppe so: "Ein Besserwisser ist ein Mensch, der glaubt das Wissen für sich gepachtet zu haben und andere belehren zu müssen."

Unsicherheit als Ursache

Diese Menschen versuchten, ihre Unsicherheit zu kompensieren. Ihr Mittel der Wahl: andere totlabern oder mit Argumenten überrollen.

"Grundsätzlich geht es darum, dieses geringe Selbstwertgefühl und diese Unsicherheit zu kompensieren."
Denise Ginzburg, Psychologin

Beim Gegenüber löse dieses Verhalten Frust aus, sagt Denise Ginzburg. Sie erklärt: "Das Doofste was man machen kann, ist in die Diskussion miteinzusteigen. Das heizt die Stimmung noch an." Dann bekomme die besserwissende Person erst ihre Anerkennung und wolle dann noch mehr davon. Sie sei quasi am Ziel und könne die eigene Unsicherheit noch besser durch Scheinwissen und Fake-Argumente unterdrücken und überspielen.

Sie rät dazu gezielte Fragen zu stellen, nach den Quellen zu fragen. Geeignet sei beispielsweise der Satzanfang: "Erklär mir nochmal ganz genau ...". Die Psychologin findet: "Es nützt wirklich, dem Besserwisser aufzuzeigen, dass er das Wissen nicht gepachtet hat."

Fragen als Gegenmittel

Am Ende sei diese Art der Kommunikationssteuerung dann für die besserwissende Person eine Hilfestellung. Erstmal fange sie aber an, wirklich offen unsicher zu sein. Dieses Gefühl von Unsicherheit führe dazu, dass die Person ein bisschen kleinlauter werde.

"Dem anderen helfen zu merken, da gibt es noch Graustufen, zu merken: Die Welt ist nicht immer schwarz und weiß."
Denise Ginzburg, Psychologin