Die Mundwinkel ziehen sich nach unten, kurz darauf ist der erste pampige Spruch draußen. Wissenschaftler arbeiten an einem Frühwarnsystem für Streits in Beziehungen.

Kleinigkeiten, Missverständnisse, schlechte Laune. Anlässe sich zu zoffen, gibt es genug. Wir könnten sie aber auch einfach mal auslassen. Adela Timmons will dabei Unterstützung bieten: Mit einer App. Die Doktorandin in Psychologie an der University in Southern California will ein Programm entwickeln, das Konflikte in Paarbeziehungen schon im Aufkeimen erkennen und vermeiden kann.

Denn die App will rausfinden, wann sich ein Streit anbahnt. Dazu misst sie verbale und nonverbale Signale. Quasi eine Schlechtwetter-Prognose für Beziehungen. Erste Test mit einem Prototypen hat die 30-jährige Wissenschaftlerin schon durchgeführt. 

Reizworte "Du", "Immer", "Nie"

34 Paare haben an einem ersten Test teilgenommen. Dabei wurden mit vier Methoden Informationen zusammengetragen. So trugen die Probanden für einen Tag und eine Nacht ein elektronisches Kettchen fürs Handgelenk, das den Hautwiderstand misst. Regen wir uns auf, wird dieser geringer, die Haut wird schwitziger - das senkt den Widerstand. 

Außerdem wurde mit einem Sensor um die Brust der Herzschlag gemessen. Ergänzt wurde das noch durch ein Handyprogramm: es lauscht den Gesprächen der Paare und reagiert auf bestimmte Reizworte. Gefährliche Kombinationen sind etwa solche mit "Du", "immer", "nie" ("Du denkst immer nur an dich!"). 

"Der Puls wird schneller, man spricht in höherer Stimmlage. Und die Paare sagen während eins Streits vielleicht häufiger 'Du', statt 'Ich'."
Adela Timmons, Psychologin

Aus all diesen Informationen konnte die App Aussagen über den Gemütszustand der Paare treffen. Und das war im Test zumindest recht zuverlässig: In 80 Prozent der Fälle konnte sie einen sich anbahnenden Streit richtig erkennen. Das zeigte der Abgleich mit Notizen, die die Probanden parallel anfertigten und beispielsweise ihre Streits aufzeichneten.

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Noch klingt das alles recht aufwändig. Adela Timmons und ihr Entwicklerteam glauben aber, dass es in den USA einen Markt für die Streit-Warn-App geben könnte. Sie helfe den Menschen, ihre Beziehung besser zu verstehen und für solche Situationen zu sensibilisieren. 

Streit vermeiden - oder nicht?

Noch ist die App in der Testphase und noch nicht klar, welche Funktionen sie am Ende erhält oder ob sich der Messaufwand für die Prognose reduzieren lässt. Ein weiterer Haken ist vielleicht dieser: Echte Empfehlungen für richtiges Diskutieren und Schlichtungsmöglichkeiten, wenn es doch richtig Stress gibt, enthält sie bisher nicht. Sie bleibt eher ein Warnschild. Und am Ende gibt es auch noch jene, die sagen: "In einer guten Beziehung muss ein ordentlicher Streit einfach manchmal sein."