Den Biber selbst macht das Castoreum nicht geil, er pflegt damit sein Fell und markiert sein Revier. Für uns Menschen ist das Bibergeil eine Substanz, für die wir ihn verfolgt und getötet haben. Um an das Bibergeil heranzukommen, müssen Biber heute nicht mehr sterben. Erstaunlich ist, wo das Bibergeil überall verwendet wird.

Noch vor hundert Jahren war das Bibergeil äußerst begehrt. Um es zu gewinnen, musste der Biber getötet werden. Die Drüsen, die zwischen den Geschlechtsteilen und dem After liegen, wurden entnommen und rauchgetrocknet und dann als Heilmittel eingesetzt gegen Kopfschmerzen, Fieber oder Epilepsie. Der medizinische Nutzen von Bibergeil wurde zwar nie nachgewiesen, dennoch zeigt Bibergeil eine Wirkung. Die hängt wahrscheinlich mit der Salizylsäure zusammen, die im Bibergeil enthalten ist und reichlich in Weidenrinde vorkommt, einem Hauptnahrungsmittel der Biber.

Verführerische Wirkung

Außer in der Medizin wurde Bibergeil auch in der Parfümerie verwendet, da es Pheromone enthält. Gelöst in Alkohol riecht es ähnlich wie Moschus. Die Schweden haben Bibergeil trinkbarem Alkohol beigemischt. Als "Bäver hojt" sollte der Schnaps müde Männer munter machen. Tatsächlich soll eines der in Bibergeil enthaltenen Pheromone anregend auf das menschliche Sexualdrüsensystem wirken, wie Wissenschaftler heute nachgewiesen haben.

Vielleicht hat Bibergeil deshalb auch sein Comeback in den USA, wo es als Lebensmittelzusatz verwendet wird. Die "Food and Drug Administration" hat Bibergeil als unbedenklichen Aromastoff zugelassen. Eingesetzt wird es bevorzugt als Vanille- oder Erdbeeraroma.

"Ein Analsekret eines Nagetiers, als Geschmacks- und Duftstoff für Eiscreme und andere Köstlichkeiten, das muss man sich im wahrsten Sinne des Wortes erst Mal auf der Zunge zergehen lassen."
Mario Ludwig, Tierexperte

Der wissenschaftliche Name der bräunlichen, harzartigen, fett- und hormonhaltigen Substanz ist Castoreum. Das Bibergeil entsteht in zwei hühnereigroßen Drüsensäcken, erklärt Tierexperte Mario Ludwig. Die Substanz selbst besteht aus einem komplexen Gemisch chemischer Verbindungen, die wahrscheinlich im Zuge der Urinbildung entstehen. Mit den Vorderpfoten erreicht der Biber die Drüsen und verteilt das Bibergeil im Fell, wodurch es wasserdicht wird.

Getötet wird der Biber dafür heute nicht mehr. In Biberfarmen streifen die Tiere das Sekret an bestimmten Aufnahmestationen ab. Außerdem kann der Aromastoff vollständig künstlich im Labor hergestellt werden.

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