Im Bienengeschäft geht es nicht nur um Honig. Leihbienen sind Meister im Bestäuben - und das zahlt sich für die Landwirte aus.

In den USA gibt es bereits eine große Zahl an Bienenvölkern, die ständig auf Tour ist. Und damit ist nicht die normale Bienenflugstrecke gemeint. Imker transportieren Bienenvölker Lkw-weise durchs ganze Land, um für die Landwirtschaft Obstbäume zu bestäuben. Auch in Deutschland vermieten Imker ihre Bienenvölker.

Honig ist fast Nebensache

Etwas anders ist die Ausgangssituation in den USA und in Deutschland, erklärt Ralf Heipmann, Stadtimker aus Köln. In den USA sind die Miet-Bienen oft zwingend notwendig. Bei der Mandelblüte im kalifornischen Central Valley zum Beispiel: In das riesige Tal voller Mandelbäume werden über eine Million Bienenstöcke gekarrt. Ohne die gemieteten Bienen wäre eine Bestäubung nahezu aussichtslos, sagt Ralf Heipmann, da sich kaum genügend Wildbienen hierher verirren würden. 

Durch die Bienenwanderung können die Bestäubungsunternehmen außerdem die Blütezeit quer durch alle Bundesstaaten optimal ausnutzen. Sie wandern quasi mit dem Frühling quer durchs Land.

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Auch in Deutschland können gemietete Bienen zum Zuge kommen. Hier gibt es etwa folgende Anwendungsszenarien: Wird unter Folie oder im Glashaus angebaut (beispielsweise bei Erdbeeren), müssen die Bienen gezielt dort ausgesetzt werden - schließlich hätten sie sonst keinen Zugang. Auch können Bienen Landwirten einen Ertragsboost bei Pflanzen bescheren, die nicht zwingend fremdbestäubt werden müssen. Zum Beispiel auf einem Rapsfeld. "Das kann ganz realistisch zwischen 15 und 20 Prozent mehr Ertrag ausmachen", schätzt Ralf Heipmann. 

Eine Art Bienen-Versicherung

Noch größer ist der Erfolg bei Obstbäumen. Hier setzt Imker Heipmann, der auch als Bestäubungsimker arbeitet, den zusätzlichen Ertrag auf etwa 50 Prozent an. Für die Besitzer von Obstplantagen sind die angemieteten Bienenvölker zudem eine Absicherung für die erfolgreiche Bestäubung. Denn nicht immer lässt sich abschätzen, wie viele Wildbienen es in einem Jahr geben wird. "Die Jahre werden zunehmend schlechter. Die Bestäubungsinsekten werden jedes Jahr immer weniger", sagt er.

"In den Niederlanden wird das schon ewige Zeiten praktiziert. Jetzt kommt das auch bei uns etwas in Mode, seinen Bienenstock auch an den Acker zu stellen."
Ralf Heipmann, Stadtimker

Er selbst verleiht seine Bienenvölker aufgrund einer Biozertifizierung nur an die Biolandwirtschaft. Dabei gibt es unterschiedliche Modelle des Bieneneinsatzes: Die Imker werden für ihren Einsatz bezahlt. Oder es ist ein gegenseitiger Austausch, denn auch die Imker profitieren bei der Honigproduktion von einer regen Bestäubung. "Mittlerweile gibt es auch eine Onlinebörse, bei der man sich melden kann", erklärt Imker Ralf Heipmann. Hier kommen dann Landwirte und Imker zusammen.

Bestäubungstour extrem

Zustände wie in den USA wünscht Ralf Heipmann sich jedoch nicht. Denn die riesige Bestäubungstour bekommt den Bienen nicht gut. Statt das Bienensterben aufzuhalten, könnte die extreme Form des Bienen-Sharings es sogar noch verstärken. Die weiten Fahrten, Medikamentenbehandlung oder der Kontakt mit immer wieder neuen Pflanzen aus der Intensivlandwirtschaft könnten für die Insekten Stress verursachen, meint der Imker.

"Das ist extrem stressig für die Bienen. Nicht ohne Grund ist das Bienensterben in den USA besonders hoch."
Ralf Heipmann, Stadtimker

Auch wenn sich das Geschäft mit den Bienen in Deutschland entwickelt, rechnet Ralf Siepmann hier nicht mit amerikanischen Größenordnungen: "Hier sind ungefähr 97 Prozent Hobby-Imker, das ist eine völlige andere Situation in Deutschland."

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