Mit 16 Jahren zieht Sebastian Steudtner nach Hawaii, um am Meer leben zu können. Heute gehört der 35-jährige Deutsch-Österreicher zu den erfolgreichsten Big Wave Surfern der Welt. Wer 25 Meter hohe Wellen surfen will, ohne sein Leben leichtsinnig zu riskieren, braucht einen langen Atem, das perfekte Team und ziemlich starke Nerven.

Die erste Riesenwelle, die Sebastian Steudtner surfte, war auf Hawaii und trägt den Namen "Jaws" - englisch für "Kiefer" oder "Rachen". Nach großen Stürmen kann die Welle mehr als 20 Meter hoch sein. Sebastian war damals um die 20 Jahre alt, stürzte und musste gerettet werden. "Eine sehr intensive Erfahrung", sagt er heute.

"Man denkt an gar nichts. Man denkt nur an den nächsten Meter, an die Linie, das Brett."
Sebastian Steudtner über die Gedanken auf einer Riesenwelle

Sebastian Steudtner wächst in Nürnberg auf, aber wegen seiner Liebe zum Meer und dem Wassersport beschließt er, als Jugendlicher nach Hawaii auszuwandern. Dort fängt er irgendwann mit dem Big Wave Surfen an.

Training für den Worst Case

Anders als beim "normalen" Wellenreiten werden die Surferinnen und Surfer dabei in der Regel mit Jetskis in die Welle gezogen und reiten diese dann ab. Wer aus einer 25 Meter hohen Welle stürzt, muss genau wissen, was zu tun ist, um nicht zu ertrinken. Apnoe-Training, um die Luft minutenlang anhalten zu können, ist nur eine der lebenswichtigen Voraussetzungen.

Gemeinsam mit seinem Team und einem deutschen Militärarzt hat Sebastian außerdem ein Sicherheitskonzept entwickelt, mit Situationen, die beim Big Wave Surfen eintreten können. Dabei gehen sie vor allem auch Worst Case-Szenarien durch: "Was passiert, wenn du mit Herzstillstand, gebrochenem Rückgrat 50 Meter leblos vom Strand rumliegst - was passiert dann?"

"So krass sich das anhört: Es ist ok für mich zu ertrinken, weil ich weiß, wie es sich anfühlt zu ertrinken. Habe ich trainiert."
Sebastian Steudtner

Der Glücksmoment, der kommt

Heute lebt Sebastian Steudtner zum Teil in Nazaré, einem kleinen Fischerort in Portugal, wo es im Herbst und im Winter die größten Wellen der Welt gibt.

"Zu merken, wir sind gar nichts im Vergleich zur Natur, ist ein unglaubliches Gefühl."
Sebastian Steudtner

Für Sebastian ist das Surfen mehr als nur ein Sport – es ist eine Metapher fürs Leben: "Du musst immer wieder aufstehen – und irgendwann kommt der Glücksmoment", sagt er. Deshalb hat der 35-Jährige einen Verein gegründet, um Kinder und Jugendliche durch Surftherapie zu unterstützen.

Im Deep Talk mit Rahel Klein erzählt er außerdem, warum das Big Wave Surfen immer noch in den Kinderschuhen steckt und wie es sich anfühlt, von einer 25 Meter Welle zu stürzen.