Bioläden in Deutschland sind längst Normalität. Ungewöhnlich aber ist das Konzept eines Ladens, den es seit vier Jahren in Berlin gibt. Wer nachweisen kann, dass er Geringverdiener ist, bekommt Rabatt. Doch nicht jeder ist von dieser Idee begeistert.

Lebensmittel aus dem Bioladen: Menschen mit geringem Einkommen können sich das kaum oder gar nicht leisten. Genau das möchte Marion Ziehrer ändern. Vor vier Jahren eröffnete sie einen kleinen Biosupermarkt in Berlin, in dem Geringverdiener Rabatte auf verschiedene Produkte erhalten: von Centbeträgen bei Brot, bis zu 1,50 Euro Nachlass bei Aufstrich oder Kosmetika - je nachdem, wie hoch die Gewinnspanne ist.

Wer Rabatt will, muss seine Armut nachweisen

Eigentlich ist das Konzept eine lobenswerte Sache, doch die Idee kommt längst nicht überall gut an. Das Problem: Die Kunden müssen an der Kasse nachweisen, dass sie weniger als 850 Euro im Monat zur Verfügung haben. Kritikern des Konzepts geht das zu weit.

"Viele sehen das ein und machen es dann. Es gibt aber auch Leute, für die wir praktisch das letzte Glied in der Kette der ständigen Demütigungen sind"
Marion Ziehrer, Betreiberin des Bioladens

Dennoch ist Marion Ziehrer davon überzeugt, Geringverdienern ein gutes Angebot zu machen. Die Überprüfung der Kunden erfolgt so diskret wie möglich. Auch werden Ausweise ausgestellt, so dass nicht jedes Mal ein Bewilligungsbescheid an der Kasse vorgelegt werden muss.

"Das ist ein Angebot was wir machen, das macht der Laden von sich aus, wir erfahren keinerlei finanzielle Förderung"
Marion Ziehrer, Betreiberin des Bioladens

"Ich hab jetzt einen Job"

Marion Ziehrer möchte etwas abzugeben vom Wohlstand dieses Landes. Dafür verzichtet sie auf große Gewinne. Sie und ihre Mitarbeiter arbeiten für ein vergleichsweise kleines Gehalt.

Auch wenn das Angebot für Leute gedacht ist, die es wirklich benötigen, gibt es immer wieder Menschen, die das Konzept ausnutzen. Das sei kaum zu verhindern, sagt Marion Ziehrer und versucht sich mehr auf die positiven Erlebnisse zu konzentrieren:

"Wir versuchen mehr auf die zu gucken, die sich wirklich freuen über das Angebot und die vielleicht irgendwann zu uns sagen: Guck, deinen Ausweis brauch ich nicht mehr, ich hab jetzt einen Job"
Marion Ziehrer, Betreiberin des Bioladens