Was interessiert es uns, ob im Wald Füchse leben oder nicht? Die Erklärung ist recht einfach: Sie fressen Mäuse, die Krankheitserreger zu uns Menschen bringen.

Am internationalen Tag der Biodiversität kann man sich mal mit der Biodiversität beschäftigen – zumal spätestens die Corona-Pandemie einen weiteren Grund geliefert hat, sich um sie kümmern: Der Schutz vor Infektionskrankheiten.

Schon die Viren Sars, Mers, H5N1 (Vogelgrippe) und HIV sind von Tieren auf den Menschen übergesprungen. Beim Virus Sars-CoV-2 und bei Ebola gibt es ebenfalls Indizien dafür. Generell wird davon ausgegangen, dass die Mehrheit aller Erreger, die Menschen infizieren, ursprünglich aus dem Tierreich stammt.

Warum Biodiversität und Infektionsschutz zusammenhängen:

1. Nähe zur Natur

In vielen Ländern auf der Welt rücken die Menschen näher an die Natur heran, holzen Bäume ab, um Gebäude zu bauen, betreiben intensiv Landwirtschaft, trennen mit Straßen und Schienen bestehende Ökosysteme in Einzelteile und machen ehemalige Naturflächen zu Gewerbeparks. Auch sind vermehrt wilde Tiere in Städten zu beobachten.

Sich einfach mal fernhalten

Märkte, auf denen verschiedene wilde Tiere in Käfigen gehalten und zum Kauf angeboten werden, sind in der Kategorie ″Nähe von Mensch und Tier″ das Extrembeispiel.

Je näher Tiere und Menschen zusammenleben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Krankheitserreger auf den Menschen überspringen. Die Biodiversität zu berücksichtigen, würde aus Sicht des Infektionsschutzes also bedeuten: Sich von der Natur einfach mal fernhalten.

2. Mangelnde Artenvielfalt

Unabhängig davon, wie eng Tiere und Menschen zusammenleben, hat auch die Biodiversität im Sinne von Artenvielfalt einen direkten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, dass sich Krankheiten übertragen. Denn: Die Arten, die am ehesten Krankheiten übertragen, sind oft diejenigen, die sich am stärksten verbreiten, wenn Ökosysteme gestört werden.

Ein Beispiel dafür sind die Weißfußmäuse in den USA. Sie sind Überträger der Bakterien, die zu Borreliose führen können. Zecken stecken sich an den Mäusen an und infizieren dann Menschen.

Felicia Keesing, Biologieprofessorin am Bard College in New York State, sieht einen direkten Zusammenhang: Je mehr Mäuse es gibt, desto eher infiziert sich eine Zecke mit Borreliose.

″In komplexen Ökosystemen ist es weniger wahrscheinlich, dass Krankheiten den Menschen erreichen, weil es mehr Puffer-Arten gibt.″
Jenny Rieger, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Was hat das jetzt mit Artenvielfalt zu tun? Viel. Denn in einem intakten Ökosystem gibt es zum Beispiel mehr Füchse und Luchse – und die fressen die Mäuse. In einem gestörten Ökosystem haben es die Füchse und Luchse schwerer, die Mäuse stört es nicht oder sie profitieren sogar.

Hinzu kommt: Wenn es viele Arten gibt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich zum Beispiel ein Virus schnell von Tier zu Tier weiter verbreiten kann, weil es nicht nur auf Artgenossen, sondern auch auf andere Spezies trifft, die von diesem Virus aber nicht infiziert werden können.

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Jenny Rieger formuliert das so: ″In komplexen Ökosystemen ist es weniger wahrscheinlich, dass Krankheiten den Menschen erreichen, weil es mehr Puffer-Arten gibt.″