Biologe Toni Wegscheider wildert Bartgeier in den deutschen Alpen aus, wo die Greifvögel mehr als 100 Jahre lang ausgestorben waren.

Toni Wegscheider ist Biologe, Naturschützer und Vogelkundler. Er ist beim bayerischen Landesbund für Vogelschutz damit beauftragt, den Bartgeier im deutschen Alpenraum wieder heimisch zu machen.

Greifvögel hatten lange Zeit ein schlechtes Image

Schuld daran, dass diese Geierart im Alpenraum ausgestorben war, ist der Mensch, erklärt Toni Wegscheider: "Es gab damals einfach so ein fieses Schwarz-Weiß-Denken in gute Tiere, böse Tiere. Im Zweifelsfall war alles, was einen Hakenschnabel hatte – Falke, Bussard, Adler, Geier – erst mal böse, weil sie potenziell Sachen gefressen haben, die wir gern haben wollten." Die Folge: Sie wurden wie im Fall des Bartgeiers bis zum letzten Exemplar abgeschossen.

"Die Alpen waren die letzten 100 Jahre Geier-leer."
Toni Wegscheider, Biologe

In Hochgebirgen anderer Länder kommen die Bartgeier immer noch vor: in den Pyrenäen zum Beispiel, auf dem Balkan oder auch in Asien. Die Alpen hätten eine riesengroße Lücke dargestellt, sagt der Naturschützer Er beschreibt diese Geierart als prächtig, mit goldenen, rot-grauen Federn.

Wally und Bavaria sind die ersten zwei Bartgeier, die wieder im Alpenraum angesiedelt wurden.
© Markus Leitner
Wally und Bavaria sind die ersten zwei Bartgeier, die wieder im Alpenraum angesiedelt wurden.
"Der Bartgeier ist eine wahnsinnig prachtvolle Erscheinung mit goldenem, roten, schiefergrauem Gefieder. Sie haben nicht so einen nackten Hals wie Gänsegeier, diese klassischen Aasgeier."
Toni Wegscheider, Biologe

Inzwischen hat der Geier seinen schlechten Ruf verloren und ein ganz anderes Standing. Bei den Menschen sei angekommen, wie wichtig es ist, dass auch Aasfresser herumsegeln. Denn sie entsorgen tote Tiere, die vielleicht halbverwest herumliegen und eine potenzielle Seuchen-Quelle sind. "Es ist einfach ein wichtiger Bestandteil der Natur, dass auch solche Tiere hier leben", erklärt der Biologe.

"Der Bartgeier räumt als Letzter auf."
Toni Wegscheider, Biologe

Wenn etwa ein Steinbock irgendwo in den Alpen abstürzt und stirbt, dann kommen zunächst Füchse, Steinadler, Kolkraben oder Mader, zerlegen und fressen das tote Tier. "Aber, was zum Schluss noch herumliegt und infektiös sein kann, das ist das Skelett – und dafür ist der Bartgeier zuständig", sagt Toni Wegscheider. Der Bartgeier ist in der Lage, die Knochen und Wirbel zu schlucken – und zu verdauen, denn er hat die schärfste Magensäure im Tierreich.

Toni Wegscheider mit Helm und Helmkamera.
© Hansruedi Weyrich
Toni Wegscheider mit Helm und Helmkamera.

Das Projekt der Wiederansiedlung von Bartgeiern läuft seit 1982. Insgesamt gibt es inzwischen rund 340 Bartgeier in den Alpen, die dort jetzt auch wieder brüten und für weiteren Nachwuchs sorgen. In den östlichen Alpen – in Bayern und Österreich – sei das Vorkommen dieser Vögel allerdings noch sehr dünn. Deswegen werden dort weiterhin Tiere, die zuvor in Zoos gezüchtet wurden, ausgesetzt.

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie Toni Wegscheider Bartgeier aussiedelt und sie im Alpenraum wieder heimisch macht, dann klick auf den Play-Button und höre dir das gesamte Audio an.