Was wie eine absurde Spinnerei klingt, ist womöglich die Lösung für ein großes Umwelt- und Ressourcenproblem: Fleisch aus dem 3D-Drucker. Eine US-Fast-Food-Kette hat jetzt nach eigenen Angaben den weltweit ersten Verbrauchertest mit Chicken Nuggets angekündigt.

Die ersten per Bioprinting produzierten Chicken Nuggets sollen den Test-Kunden im Herbst serviert werden – und zwar in Moskau. Kentucky Fried Chicken (KFC) arbeitet dafür mit einem spezialisierten russischen Unternehmen zusammen.

Fleisch aus russischem 3D-Drucker

Auf 3D-Bioprintern wird menschliches oder tierisches Gewebe hergestellt. Grundidee: Die Drucker stellen nur das Gewebegrundgerüst her, danach arbeiten die Zellen selbstständig. In Zukunft könnten auf diese Weise auch menschliche Organe entstehen. In der Medizin steckt die Forschung da aber eher noch am Anfang, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll. Die Lebensmittelindustrie sei dagegen schon weiter, dort gebe es bereits Unternehmen, die Fleisch per Bioprinting herstellen.

"Die Grundidee: Die Drucker stellen das Gewebegrundgerüst her – danach arbeiten die Zellen selbstständig."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

"Ausgedrucktes" Fleisch schmeckt idealerweise wie Fleisch, ist aber keins. Bei KFC will der russische Partner Hühnerzellen und pflanzliche Inhaltsstoffe für die Chicken Nuggets verwenden, um dem Geschmack von natürlichem Hühnerfleisch so nahe wie möglich zu kommen.

Trend: Ersatzprodukte für tierisches Fleisch

Dieser Ersatz für tierisches Fleisch ist gerade ein großer Trend in der Lebensmittelindustrie. Praktisch alle großen Hersteller arbeiten an solchen Konzepten, berichtet unser Netzreporter. Denn wenn das Bioprinting sich durchsetzt, würden Energie- und Wasserressourcen geschont – der Flächenbedarf für Nutztiere würde kleiner.

"Bioprinting schont Energie- und Wasserressourcen. Weil die Nutztiere weniger Fläche brauchen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Bei gedruckten Chicken Nuggets würde der Energiekonsum um gut 50 Prozent und die Treibhausgasemissionen sogar um das 25-fache sinken, glaubt KFC.

"Falsches Fleisch" schont Ressourcen

Die Rechenspiele beziehen sich auf Russland, aber auch in Deutschland hätte das natürlich gravierende Auswirkungen: Denn jeder Bundesbürger verspeist umgerechnet knapp 60 Kilogramm Fleisch im Jahr. Der Konsum von Schweinefleisch geht zurück, der von Geflügel steigt.

Wie gut oder schlecht die gedruckten Nuggets wirklich schmecken, lässt sich leider noch nicht sagen. Unabhängige Testergebnisse liegen noch nicht vor. KFC geht aber natürlich davon aus, dass man mithilfe von Gewürzen und Texturen das Original möglichst gut nachbilden kann.

3D-Fleisch bald auch in Deutschland

Das Start-up "Redefine Meat" aus Israel will noch in diesem Jahr einen 3D-Drucker an deutsche Spitzenrestaurants ausliefern, mit dem Fleisch aus pflanzlichen Zutaten gedruckt wird. Aus drei Düsen wird zunächst eine Art Gel übereinandergestapelt. Am Ende, wenn das Ganze gegrillt ist, sieht es optisch dann tatsächlich aus wie ein saftiges Steak. Ab dem kommenden Jahr sollen die Drucker dann in Serie gehen und gut 100 Kilogramm pflanzliches Fleisch pro Stunde drucken können.

Die Verbraucher stehen der Technologie übrigens laut Umfragen sehr offen gegenüber, berichtet Andreas Noll. Am Ende wird natürlich nicht zuletzt der tatsächliche Geschmack entscheiden.

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