Eine bipolare Störung bringt nicht nur für den Betroffenen große Herausforderungen mit sich – sie kann auch Partnerschaften und andere Beziehungen stark belasten. Manische Phasen wechseln sich mit depressiven ab und können sich in massiven Verhaltensänderungen zeigen.

Oft kommt der Switch unerwartet und kann den Alltag weitreichend beeinträchtigen: Denn eine bipolare Störung hat zwei Seiten, wie der medizinische Fachbegriff schon vermuten lässt. Phasen einer Manie oder Hypomanie wechseln sich mit depressiven Phasen ab. Insbesondere dann, wenn die bipolare Störung noch unbehandelt ist, weil sie möglicherweise noch nicht diagnostiziert wurde.

"Im klassischen Sinne heilbar ist eine bipolare Erkrankung tatsächlich nicht. Es ist eigentlich eine Lebenszeit-Diagnose. Man kann sie aber wirklich gut behandeln"
Bastian Willenborg, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Im medizinischen Sinne versteht man darunter eine bipolar-affektive Störung, erklärt der Facharzt für Psychosomatische Medizin, Bastian Willenborg. Bei einer akuten manischen Phase kann sich das Verhalten des Betroffenen deutlich verändern, sagt der Psychotherapeut. Vor allem eine krankhafte Veränderung von Stimmung, Energie, Schlaf und Selbstwahrnehmung kann sich dadurch zeigen.

Viel Energie, extreme Impulsivität und ein geringes Schlafbedürfnis können Anzeichen sein

Die Manie oder Hypomanie kann die Ursache für einen erhöhten Antrieb, viel Energie, ein sehr geringes Schlafbedürfnis, ein übersteigertes Selbstvertrauen und auch Größenideen sein, also beispielsweise, das eine Person davon überzeugt ist, Superkräfte zu haben.

Oft zeigt sich auch eine erhöhte Impulsivität, zum Beispiel, das angesparte Geld für einen Familienurlaub plötzlich und unüberlegt in andere Dinge investiert wird. Auch eine sexuelle Enthemmung kann auftreten, erklärt Bastian Willenborg.

"Wenn die Patienten in so einer manischen oder Hypomanie-Phase sind, fühlt sich das richtig gut an. Die Patienten haben nicht das Gefühl, dass sie krank sind, sondern fühlen sich gut: Sie fühlen sich energetisch, brauchen wenig Schlaf."
Bastian Willenborg, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

In vielen Fällen ist das Verhalten in den unterschiedlichen Phasen einer bipolar-affektiven Störung so konträr oder auch so unerwartet, dass es die Beziehung zum Partner, den Familienmitgliedern oder auch Freunden stark belasten kann.

Bipolare Störung: Die Behandlung ist komplex

Die psychotherapeutische Arbeit mit bipolaren Patient*innen kann dadurch erschwert werden, dass sie sich während einer manischen Phase gar nicht schlecht oder krank fühlen, erklärt Bastian Willenborg. Dann behilft sich der Therapeut meistens damit, die Betroffenen auf ihre veränderte Art und ihr verändertes Verhalten anzusprechen. In den depressiven Phasen merken die Patient*innen meist eher, dass es ihnen nicht gut geht, sagt der Facharzt für Psychosomatische Medizin.

Die Behandlung einer bipolar-affektiven Störung ist meist komplex, weil sie sehr individuell auf die einzelne Person abgestimmt werden muss. Meist werden Mood-Stabilizer verschrieben, also Medikamente, die die Stimmung stabilisieren, sagt Bastian Willenborg. Das bekannteste und in medizinischen Leitlinien empfohlene Medikament ist Lithium, sagt der Facharzt.

"Tatsächlich ist es so, dass einige Medikamente, die für die bipolare Erkrankung zugelassen sind, sowohl vor den depressiven Episoden als auch vor den manischen schützen."
Bastian Willenborg, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Und diese Medikation verhindert meist, dass manische und depressive Phasen überhaupt auftreten.

Hinweis: Am Anfang des Audiobeitrags wird gesagt, dass auch Ben Stiller und Sia eine bipolare Störung haben. Das ist nicht korrekt. Laut der Sängerin Sia war bei ihr zwar eine bipolare Störung diagnostiziert worden, später stellte sich jedoch heraus, dass es sich um eine Fehldiagnose handelte. Zudem gab es Meldungen, dass Ben Stiller eine bipolare Störung hat, die jedoch auf einem Missverständnis beruhen, wie der Schauspieler später erklärte.

Shownotes
Bipolare Störung
Wenn das Gehirn umswitcht
vom 12. April 2026
Moderation: 
Nik Potthoff
Gesprächspartner: 
Bastian Willenborg, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie