Die Bitcoin-Geschäfte laufen heiß. Der extrem freie Handel an den Krypto-Börsen gefällt jedoch nicht allen. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz meint, Bitcoins sollten verboten werden.

Die ganze Welt ist im Bitcoin-Fieber. Die ganze Welt? Nein. Der Ökonom Joseph Stiglitz fordert, Bitcoins zu verbieten. Sein Hauptargument, erklärt Thomas Otto, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Brüssel: Bitcoins hätten das Potenzial, Dinge zu verschleiern, Regulierungsmechanismen würden fehlen. Das eröffne Möglichkeiten für schwarze Kassen, Geldwäsche und illegalen Handel.

"Das ist nicht unbegründet. Die Idee von Bitcoins ist ja, dass es keine Regierung gibt, die das Ganze kontrolliert und beaufsichtigt. Keine Zentralbank, die da Einfluss nehmen kann."
Thomas Otto, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Brüssel

Mit seiner Meinung ist Joseph Stiglitz nicht allein, auch andere mahnen zur Vorsicht, dass sich der Markt der Kryptowährungen als Blase entpuppen könnte. Auf der einen Seite locken Gewinne von mehr als 1000 Prozent, auf der anderen Seite zeigt sich der Kurs auch extrem wechselhaft. 

Die Regeln macht die Software

Schließlich werde der Kurs nicht von Zinsen beeinflusst, sondern nur von Angebot und Nachfrage, erklärt Thomas Otto: "Die Regeln, nach denen es funktioniert, sind in der Software festgelegt. Und darauf hat keine Regierung Einfluss." 

"In Brüssel hat man Regeln verabschiedet, die das ein wenig einschränken sollen. Die Börsen sollen die Identität ihrer Kunden feststellen, damit man nicht so einfach Geldflüsse verschleiern oder Geld waschen kann."
Thomas Otto, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Brüssel

"Keinerlei sinnvolle soziale Funktion"

Joseph Stiglitz, der 2001 mit dem "Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften" ausgezeichnet wurde, geht es nicht nur um die eher praktischen Gegebenheiten rund um den Bitcoin. Er holt mit seiner Kritik noch weiter aus: Seiner Meinung nach erfüllt die Kryptowährung "keinerlei sinnvolle soziale Funktion“. Was er damit meint, erklärt Thomas Otto: So wie Bitcoins im Moment eingesetzt würden, seien sie hauptsächlich ein Spekulationsobjekt. Der Zweck einer Währung, etwa damit Produkte zu kaufen, rücke in den Hintergrund.

Risky Business

Wie so oft, wenn hohe Gewinnmargen ausgegeben werden, steht ein riskantes Geschäft dahinter. Und so gibt es auch Anlageberater, die skeptisch sind. "Im Jahr 2017 hat sich der Kurs etwa verzehnfacht - und das in nur einem Jahr", so Thomas Otto. Die Goldgräberstimmung könnte ebenso schnell wieder vorbei sein, die Kurse abstürzen. Etwa, wenn sich nach China auch die USA entschließen sollten, den Handel an Krypto-Börsen zu verbieten.

Die Pro-Argumente

Unter den Befürworten der Kryptowährung gibt es auch solche, die das Argument von Stiglitz, Bitcoins hätte keine soziale Funktion, nicht gelten lassen wollen, sagt unser EU-Korrespondent. Ihrer Meinung nach solle sie sich langfristig als echte Währung etablieren. 

"Ein Argument der Bitcoin-Befürwörter: Auch bei normalen Währungen stehe nicht überall Gold dahinter, das in einem Keller gelagert werde. Von daher seien sich die echten und digitalen Währungen nicht so unähnlich."
Thomas Otto, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Brüssel

Andere verteidigen den Bitcoin hinsichtlich der Marktentwicklung. So habe sich der Kurs bis jetzt nach jedem Tal erholt. Lag er im März 2013 etwa bei 30 Euro, stieg er schlagartig an, einige Monate später war er sogar bei 700 Euro. Für viele Befürworter ist Stiglitz' Hauptkritikpunkt der fehlenden Einflussnahme gerade eine Chance: ein extrem freier Handel.