Am Black Friday sollen wir kaufen, bevor es zu spät ist. Die Händler locken uns an diesem Schnäppchentag mit scheinbar unschlagbar günstigen Preisen. Aber stimmt das wirklich? Und was machen solche Aktionen mit unserer Psyche?

Mensch, ist das billig!? - Der eine oder andere dürfte beim Betrachten der Black-Friday-Angebote in den Onlineshops und in den Geschäften schwitzige Hände vor Aufregung bekommen. Kann ich mir ein solches Angebot denn wirklich entgehen lassen? Zwar sind schon ein paar wirklich gute Preise dabei, aber nicht alles, was am Black Friday angeboten wird, seien echte Schnäppchen, sagt unser Wirtschaftsexperte Jörg Brunsmann.

"Aber was die Händler hier machen, dass sie massiv drängeln, du sollst jetzt kaufen, einmalige Gelegenheit und so, das hat eher mit Psychologie als mit guten Preisen zu tun."
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk Nova

Keiner der Händler würde sagen, es wäre jetzt vernünftig, zu kaufen, so Jörg: "Die wollen dich nicht überzeugen, sie wollen dich überreden und setzen dir die Pistole auf die Brust. Motto: Jetzt oder nie!“

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Die Händler haben es auf unsere Gefühle abgesehen, sagt Jörg: "Wir sehen diese Werbung und von hinten flüstern unsere Emotionen: 'Ja, die haben recht, das ist wirklich billig! Und das hier hab ich mir immer gewünscht, jetzt tu doch was, bevor es zu spät ist!'". Es sei schwer, sich da vernünftig zu verhalten. Und so ziehen wir los und klicken die Produkte erst mal in unseren Warenkorb. "Dein Belohnungssystem jubelt und findet das so richtig geil", sagt Jörg.

Schalt den Verstand ein!

"Und dann kommt der Trick: Du klickst eben nicht auf Kaufen, sondern gehst erst mal nen Kaffee trinken. Das ist die Zeit, in der dein Verstand die Kontrolle übernehmen darf."
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk Nova

Es ist also besser, erst mal kurz innezuhalten und sich zu fragen: Brauche ich das wirklich? Kann ich mir das überhaupt leisten? Die Hälfte der Produkte würde daraufhin wahrscheinlich wieder rausfliegen, sagt Jörg. 

Baumarkt Pleite wegen Schnäppchenaktion

Obwohl der Black Friday in Deutschland keine Tradition habe, kennen ihn hierzulande mittlerweile fast 90 Prozent. Der Handel rechnet mit zusätzlichen Umsätzen von 1,7 Milliarden Euro, sagt Jörg: "Allerdings ziehen viele auch nur den Weihnachtseinkauf vor. Was man in den nächsten Wochen gemacht hätte, wird jetzt erledigt."

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Doch die Unternehmen müssen vorsichtig sein, das Spiel mit den Rabatten nicht zu überreizen, sagt Jörg: Der Praktiker-Baumarkt sei deshalb vor fünf Jahren Pleite gegangen. Ihr Spruch "20 Prozent Rabatt auf alles, außer Tiernahrung“ galt anfangs noch als kluger Marketing-Schachzug. Die Läden waren voll. Doch dann:

"Diese Aktion hat ihnen am Ende das Genick gebrochen. Sie haben das zu oft gemacht und zu normalen Zeiten war dann keiner mehr im Laden. Alle haben gewartet, dass es wieder 20 Prozent Rabatt gibt."
Jörg Brunsmann, Deutschlandfunk Nova

Manche Händler würden den Black Friday mittlerweile wieder kleiner fahren, sagt Jörg: "Apple war 2006 in Deutschland der erste Händler überhaupt, der das gemacht hat. Und dieses Jahr: Bis jetzt in Sachen Black Friday nix zu sehen." Dennoch, für den Handel positiv sei der Black Friday, weil er die erste Rabattaktion über mehrere Branchen hinweg ist. Die habe es bisher kaum gegeben, sagt Jörg. Der Sommer- und Winterschlussverkauf beschränke sich vor allem auf Klamottenläden.