Prüfung und alles weg – im entscheidenden Moment können wir uns plötzlich nicht mehr erinnern, obwohl wir super vorbereitet waren. Was in solchen Momenten in unserem Hirn geschieht, erklärt uns Neurowissenschaftler Henning Beck.

Wir stehen unter Druck: Prüfung, Bewerbungsgespräch, Vortrag. Auf einmal ist alles weg, wir können uns nicht erinnern, obwohl wir super vorbereitet waren - Blackout. Unser Gehirn scheint die Arbeit zu verweigern und wir finden nicht die richtigen Worte. Peinlich, aber passiert.

Es gibt verschiedene Gründe, warum unser Gehirn "abstürzt" oder Dinge vergisst, sagt Neurowissenschaftler Henning Beck. Wenn wir unter Druck oder im Stress sind wie bei Prüfungssituationen, dann kann der Stress wie ein Filter auf Sinneswahrnehmungen wirken. "Es wird alles sehr viel fokussierter, kontrastreicher", sagt Henning Beck. Wir würden uns dann nur noch auf diesen Moment konzentrieren und wären so "übersteuert", dass quasi unser Gehirn "abstürzt".

Übererregungsfalle schnappt im Hirn zu

In solchen Extremsituationen werden Neuromodularen ausgeschüttet, vor allem Noradrenalin und Adrenalin, erklärt der Neurowissenschaftler. Die würden wirken wie ein Fotofilter auf Instagram, sagt Henning Beck. Sie würden nicht den Inhalt unserer Gedanken verändern, aber wie wir sie wahrnehmen – nämlich kontrastreicher.

"So wie ein Filter auf Instagram Fotos kontrastreicher darstellen kann, ist das auch mit den Botenstoffen, die dafür sorgen, dass wir kontrastreicher denken."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Theoretisch ist das in Stressmomenten gut, weil wir uns dann besser aufs Wesentliche konzentrieren können. Wenn es aber zu viel von den Botenstoffen gibt, dann könnte das dazu führen, dass es zu kontrastreich wird, nur noch Schwarz und Weiß gibt. Dann würden einfach nichts mehr erkennen, eben zu viel Stress. Diese Situation nennt sich Übererregungsfalle.

Ironischer Fehler

Bei sportlichen Leistungen sei das ähnlich, aber der Grund sei ein anderer. Beispiel Elfmeterschießen: Kann jeder Fußballspieler und jede Fußballspielerin, aber es gibt verschiedene Handlungsoptionen: frontal ins Tor, in die obere Ecke rechts, in die untere Ecke links, aber auch übers Tor schießen oder an die Latte knallen. Diese Gedankenmuster spielt das Gehirn in dem Moment alle durch. Es filtert dann die falschen Muster weg, sodass ein gutes Muster übrigbleibt: Schieß ins Tor.

Im Stress kann aber passieren, dass sie sich auf ein falsches Muster konzentrieren wie "schieß bloß nicht an den Pfosten" und dann passiert genau das. "Das nennt man ironischen Fehler", sagt Henning Beck.

Wie sich Stresssituationen trainieren lassen

Um die Übererregungsfalle oder den ironischen Fehler zu vermeiden, gibt es verschiedene Trainingsmethoden:

  • Prognosetraining: Die Stressige Situation wird trainiert. Wenn dann ein Fehler auftritt, setzen wir nicht neu an, sondern lernen mit dieser Situation umzugehen und weiter zu machen.
"Du trainierst die stressige Situation zu Hause, das Bewerbungsgespräch oder den Vortrag, so, als ob du nur eine Chance hast."
Henning Beck, Neurowissenschaftler
  • Reframing: Wir deuten Stress um in etwas Positives, dass es gar nicht so schlecht ist, Stress zu empfinden, schwitzige Hände zu haben oder rot im Gesicht zu werden. Dabei sollen wir uns vorstellen, dass das alles Zeichen dafür sind, dass wir gleich Leistung abrufen.

Menschen schneiden nach so einem Reframing in Tests besser ab, sagt Henning Beck.