Arbeitsteilung hilft den Blattschneiderameisen beim Überleben. Sie teilen sich in verschiedene Kasten auf und unterstützen sich gegenseitig bei unterschiedlichen Arbeitsschritten.

Blattschneiderameisen, die ausschließlich in den Tropen Südamerikas zu Hause sind, verdanken ihren Namen der Tatsache, dass sie mit ihren scharfen Mundwerkzeugen Pflanzenblätter in kleine Stücke zerteilen. Diese transportieren sie dann in langen Kolonen in ihre unterirdischen Nester.

Ameisen bewirtschaften unteriridischen Pilz-Plantagen

Die Blattstücke dienen den Ameisen jedoch nicht, wie lange vermutet, als Nahrung. Die Ameisen verwenden die Blattteile als nährstoffreiches Substrat: Sie bauen auf diesen Blattstücken in unterirdischen Plantagen einen Pilz an. Einen Pilz, der den Ameisen als einzige Nahrungsquelle dient.

Blattschneiderameisen transportieren Blätter.
© dpa
Die "Transporteure" bringen die Blattschnipsel in den Bau.

Im Blattschneiderameisenstaat gibt es, im Gegensatz zu vielen anderen Ameisenarten, nicht nur einen einzigen Typ Arbeiterin, der alleine alle im Ameisenstaat anfallenden Arbeiten erledigen muss.

Stattdessen gibt ein sogenanntes "Kastensystem": Die Ernte der Blätter, der Transport der Blätter zum Nest, die Weiterverarbeitung sowie der Pilzanbau werden in fein aufeinander abgestimmten Schritten von äußerlich ganz unterschiedlichen Arbeiterinnen ausgeführt.

"Der Konvoi der Transporteure wird meist von mehreren Soldaten begleitet, riesigen Arbeiterinnen, deren Job es ist, den Ameisenkonvoi vor Fressfeinden zu schützen."
Mario Ludwig, Biologe

Arbeitsteilung: Die Scouts weisen den Weg

Bei den verschiedenen Kasten der Blattschneiderameisen wird zwischen Außen- und Innenarbeiterinnen unterschieden. Bei den Außenarbeiterinnen kommen als erstes die Kundschafter oder Scouts zum Einsatz. Ihr Job: Blattreiche Bäume oder Sträucher finden.

Wenn die Scouts ein geeignetes Objekt gefunden haben, legen sie von dort aus eine Duftspur zum heimischen Nest. Mithilfe der Spur finden zahlreiche andere Außenarbeiterinnen dann sicher zu diesem Ort.

Blattschneider, Soldaten und Transporteure arbeiten Hand in Hand

Als nächstes sind die sogenannten "Blattschneider" an der Reihe: Große kräftige Ameisen, die mit ihren messerscharfen Kieferzangen das Blattwerk in halbkreisförmige Schnipsel zerteilen.

Diese Blattschnipsel werden an die "Transporteure" übergeben. Ihr Job ist es die Blattstücke, möglichst rasch ins heimische Nest zu transportieren.

"Die größten Arbeiterinnen zerteilen die frisch eingetroffenen Blattschnipsel, um diese dann an kleinere Artgenossen zur Weiterverarbeitung weiterzureichen."
Mario Ludwig, Biologe

Die "Transporteure" sind ausgesprochen starke Tiere, die Blattstückchen, die mehr als das zehnfache des eigenen Körpergewichtes wiegen, mühelos ins Nest schleppen können. Der Konvoi der Transporteure wird meist von mehreren Soldaten begleitet, riesigen Arbeiterinnen, deren Job es ist, den Ameisenkonvoi vor Fressfeinden aller Art zu schützen.

Bodyguards und Soldaten beschützen die Transporteure

Die Soldaten können die Transporteure nicht vor Angriffen aus der Luft bewahren. Die dank schwerer Beladung ziemlich hilflosen Ameisen werden nämlich ziemlich oft von Buckelfliegen angegriffen, deren Ziel es ist, ihre Eier in den Hinterleib der Ameisen zu stechen.

Aber auch hier haben die Blattschneiderameisen vorgesorgt: Oben auf den Blättern reisen nämlich oft winzige "Bodyguard-Ameisen" mit, die im Fall einer Attacke ganz gezielt Ameisensäure auf die Buckelfliegen spritzen und so dafür sorgen, dass Transporteure und Blätter unbeschadet ins heimische Nest gelangen.

Im "Innendienst" werden die Blätter zerkleinert

Die "Innendienstarbeiterinnen" das sind Arbeiterinnen, die die Aufgabe haben, die Blattstücke weiter zu zerkleinern. Je kleiner die Blattstücke werden, desto kleiner werden auch die Innenarbeiterinnen.

Die kleinsten Innenarbeiterinnen vermischen die winzigen Blattschnipselchen mit ihrem Speichel, der verschiedene Verdauungsenzyme enthält. Anschließend zerkauen sie die vorverdaute Masse zu einem Brei, den sie anschließend zu den unterirdischen Pilzgärten bringen und dort auslegen. Danach sind die "Gärtnerinnen" an der Reihe.

"Gärtnerinnen" pflanzen Pilze als Nahrungsmittel

Die Gärtnerinnen unter den Ameisen legen die Pilzgärten an. Dazu stecken die Gärtnerinnen zunächst einmal kleine Pilzfäden in das Brei-Substrat, das vorher von den Innendienst-Arbeiterinnen ausgebracht worden ist. Mit der Zeit bildet sich dann auf dem nährstoffreichen Substrat ein dichtes, schimmelartiges Geflecht von Pilzfäden.

Außerdem beißen die Gärtnerinnen mit ihren scharfen Kieferzangen regelmäßig die Enden der Pilzfäden ab. Das verhindert, dass es zur Ausbildung von Fruchtkörpern kommt. Stattdessen bilden sich an den Fadenenden kleine knollenartige Verdickungen. Diese sogenannten "Ambrosia-Körperchen", die reich an Eiweiß sind werden dann abgeerntet und an die Larven beziehungsweise die anderen Ameisen verfüttert.