Die App Blinkist liest mehr als 2000 Sachbücher für euch und fasst das wichtigste kurz zusammen. Das macht sie gar nicht mal so übel, hat aber doch ein paar Schwächen.

In Deutschland erscheinen jedes Jahr ungefähr 90.000 Bücher. Auch wenn wir nur die Bücher herauspicken würden, die halbwegs lesenswert sind, ist ziemlich klar: Kein Mensch kann auch nur einen Bruchteil dieser Bücherschwemme abarbeiten. Und genau in diese Kerbe schlägt nun ein Berliner Start-up und hat die App Blinkist entwickelt.

Die App für Sachbücher

Blinkist wirbt damit, dass wir mehr lesen können als jemals zuvor: "Mehr als 2000 Sachbuch-Bestseller in clevere Kurztexte zusammengefasst, die du in nur 15 Minuten lesen oder anhören kannst." Wer immer noch ohne Leseaufwand wissen will, um was es eigentlich in "Harry Potter" geht, muss das weiterhin auf Wikipedia nachlesen oder die Filme gucken. Blinkist konzentriert sich also auf eine Auswahl von Sachbüchern. Ob das funktioniert, hat Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte getestet.

"Ich habe in nur einer Stunde quasi fünf Bücher gelesen. Oder sagen wir lesen lassen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Das Buch "Die wahre Geschichte von McDonalds" hat in der original-gedruckten Variante etwas mehr als 300 Seiten. Wer das lesen möchte, ist also ein paar Stunden damit beschäftigt. Mit der App Blinkist werden die 300 Seiten aber in rund einem Dutzend Blinks zusammengefasst. "Diese Blinks sind die Kernaussagen des Buches", sagt Martina Schulte. "Die hat man in einer Viertelstunde easy gelesen, auf dem Handy, dem Tablet oder auf dem Rechner."

Blinkist ist sprachlich eher simpel

Hinter den Blinks steckt kein Automatismus, sondern ein Team von Experten: Doktoranden, Unternehmensberater, Coaches und so weiter lesen die Bücher stellvertretend für uns und fassen sie kurz zusammen. Große Literatur oder bildhafte Sprache darf der Schnellleser allerdings nicht erwarten, sagt Martina Schulte: "Die kurzen Texte sind sprachlich eher einfach gehalten, was bei komplexen oder anspruchsvollen Themen manchmal ein bisschen komisch rüberkommt."

"Im Prinzip will das Unternehmen alle Probleme der Menschheit lösen: zu viele Verkehrstote, Funklöcher in Tibet, Umweltverschmutzung - da muss Google ran!"
Blinkist fasst ein Buch über Google zusammen

Auch wenn einige Blinks ganz gut geschrieben sind, die eigene Sprache und der Ton des Autoren gehen verloren, Humor ist überhaupt nicht mehr zu finden. Viele der Zusammenfassungen lesen sich eher wie eine Mischung aus Executive Summary und Schulinhaltsangabe. 

"Das Gute an den Blinks ist aber, dass du einen schnellen Überblick bekommst, worum es im Kern in einem Buch geht."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Vielleicht ist Blinkist die perfekte App für alle Klugscheißer und Smalltalk-Experten, die auf der nächsten Party ein paar Kernthesen aus einem angesagten Sachbuch vortragen wollen. Oder aber für Leser, die sich vor dem Kauf eines Buches besser informieren wollen, worum es eigentlich geht. Dafür ist der Preis von circa 50 Euro für Blinkist allerdings relativ hoch, wer die Variante mit Vorlese-Funktion haben will, zahlt 80 Euro. Es gibt auch eine kostenlose Schnupper-Funktion. Nach Angabe des Unternehmens erlischt diese nach 24 Stunden automatisch. 

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