Google ist füttert seine Künstliche Intelligenz (KI) mit immer mehr Informationen. Die neuronalen Netze des Supercomputers sollen dabei - genau wie ein Mensch - möglichst vielfältig dazulernen. Google bringt seiner Künstlichen Intelligenz deswegen Go und Schach bei. Der Computer lernt, Gesichter zu erkennen oder er bekommt Daten über Krebs. Ein breites Spektrum also. Und jetzt wird das Computerhirn auch mit Liebesromanen gefüttert.

Google gibt seiner KI seit geraumer Zeit Textpassagen aus erotischen Groschenromanen wie "Unconditional Love", "Fatal Desire" oder "Jacked Up" zu lesen. Also Texte wie: "Ihre Bluse sprang auf. Er wurde bestürmt mit dem Anblick ihrer weißen Haut, die aus einem heißen pinkfarbenen BH sprang." 2.865 solcher Groschenromane hat Googles KI schon lesen müssen. Und warum? Es soll ihr helfen, ihre Konversationsfähigkeit zu verbessern, berichtet Buzzfeed.

"Die Wahl der Lektüre klingt auf den ersten Blick bizarr, aber Groschenromane könnten der Künstlichen Intelligenz helfen, an ihrer Sprachfähigkeit zu feilen."
Martina Schulte, Netzautorin

Bisher sind die Sätze von Googles künstlicher Intelligenz noch relativ steif und technisch. Mit den Groschenromanen lernt sie jetzt einfache, simple Sätze. Die Sprache, die in diesen Heftchen benutzt wird, ist ja nicht besonders komplex: keine zu langen Sätze, keine komplizierten Wörter. Zudem ähneln viele dieser Heftchen einander stark, wodurch das neurale Netzwerk nach und nach den Satzaufbau lernen und sein Vokabular verbessern kann. Auf diese Weise soll sie damit nach und nach Sätze Sätze lernen, die der normalen menschlichen Sprache wesentlich näher kommen als das was die KI derzeit drauf hat.

Frau verliebt sich in Mann, Mann verliebt sich in eine andere

Andrew Dai ist der Google Software Ingenieur, der das Liebesromanprojekt leitet. Er sagt, dass die Groschenheftchen großartiges Trainingsmaterial seien, weil sie immer den gleichen Plot haben, weil sie immer die gleiche Geschichte mit anderen Worten erzählen. Und zwar, laut Dai: "Frau verliebt sich in einen Mann, Mann verliebt sich in eine andere Frau". Wenn die KI tausende solcher Bücher liest, derzeit 2,865, dann kann sie lernen, welche Sätze eine ähnliche Bedeutung haben und dadurch ein nuanciertes Verständnis von Sprache entwickeln.

"Bleibt zu hoffen, dass das Unternehmen hier das Finetuning im Griff hat, damit nicht Arbeits-E-Mails plötzlich all zu privat werden."

Dai sagt, dass die KI mittlerweile schon Sätze schreiben kann, die denen in den Heftchen ähneln. Mit diesen neuen Erkenntnissen auf der Festplatte geht es jetzt an die nächste Aufgabe: Die neu erlernten Sprachelemente sollen schon bald die KI-Produkte von Google menschlicher auftreten lassen als das bisher der Fall ist. In der Google App, sagt Andrew Dai, seien zum Beispiel die Antworten der KI derzeit noch sehr Fakten-orientiert. Die neu erworbenen Fähigkeiten sollen auch die Smart-Reply-Funktion des Mail-Clients von Googles Mail Inbox verbessern. Das ist dieses Tool, mit dem wir automatische Antworten auf eingehende Mails generieren können.