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Die Quagga-Dreikantmuschel bedeckt weite Teile des Bodensees und vermehrt sich weiter. Damit kann die Muschel für Kleinstlebewesen und Fische gefährlich, aber auch zu einem Problem für die Trinkwasserversorgung am Bodensee werden. Ein Mittel, das die Quagga-Muschel stoppt, fehlt.

Sie ist so groß wie ein Daumennagel und droht, ein ernsthaftes Umweltproblem für den Bodensee zu werden: die Quagga-Dreikantmuschel. Dabei ist die meist gestreifte Muschel keine der einheimischen Muschelarten, sondern kommt ursprünglich aus dem Mündungsgebiet der Flüsse Bug, Dnepr und Inhulez im Schwarzen Meer.

Die Quagga-Dreikantmuschel am Grund eines Sees.
© picture alliance | Silke Oldorff | dpa-Zentralbild | ZB | Silke Oldorff
Die Quagga-Dreikantmuschel am Grund eines Sees.

Quagga-Muschel: Gekommen, um zu bleiben

Wie sie in den Bodensee kam, ist unklar. Seit 2017 breitet sie sich dort aber massiv aus. Eine Theorie geht davon aus, das Ballastwasser von Schiffen habe die Quagga-Dreikantmuschel in den 1990er-Jahren erst nach Nordamerika und dann ungefähr 2005 nach Deutschland gebracht, erklärt Biologe Mario Ludwig. Im Anschluss soll die Muschel von Wasservögeln und Booten weiter über den Rhein zum Bodensee verschleppt worden sein.

"Die Quagga-Muschel ist nahezu überall im Bodensee zu finden. Und das in einer teilweise unglaublichen Dichte: Bis zu 15.000 Muscheln leben auf einem Quadratmeter Seeboden."
Mario Ludwig, Biologe

Heute ist die dreikantige Muschel über den Bodensee verteilt. An manchen Stellen leben 15.000 von ihnen auf einem Quadratmeter Seeboden. Möglich macht das ihre hohe Reproduktionsrate: Ein Weibchen kann in einem Jahr bis zu eine Million Eier ins Wasser abgeben.

Muschel schadet dem Ökosystem

Das zieht mehrere Probleme mit sich. Auf der einen Seite kann die Muschel dem Ökosystem des Gewässers schaden. Denn: Quagga-Muscheln sind sogenannte Filtrierer, die sich von Plankton ernähren, den sie über ihre Kieme aus dem Atemwasser herausfiltern. Eine Muschel kann rund einen Liter Wasser am Tag filtern.

Für Kleinkrebse und andere Kleinlebewesen fällt damit Plankton als Nahrungsquelle weg, sodass ihre Population am Bodensee stark zurückgehen oder sogar aussterben könnte. Das wiederum würde etlichen Fischarten dort die Nahrungsgrundlage wegnehmen.

Verstopfte Rohre der Trinkwasseranlage

Auf der anderen Seite verursacht die massive Ausbreitung der kleinen Muschel auch Probleme für die Trinkwasserversorgung. Sie verstopft nämlich die Rohre der Versorgungsanlage, die in rund 60 Meter Tiefe Trinkwasser aus dem Bodensee ziehen. Maria Quignon, Sprecherin der Bodensee-Wasserversorgung, rechnet mit Kosten in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages, um künftig die Trinkwasseranlagen vor der Quagga-Muschel zu schützen beziehungsweise die Rohre zu reinigen.

Natürliches Muschel-Bekämpfungsmittel

Bis heute fehlt den Menschen am Bodensee ein effektives Mittel, um die Ausbreitung der Muschel zu stoppen. Herkömmliche Bekämpfungsmittel wie Chlor oder andere Chemikalien würden den Bodensee vergiften.

Vor ungefähr 55 Jahren konnten überwinternde Vogelarten bei einem ähnlichen Problem helfen. Damals wurde die Zebramuschel in den Bodensee eingeschleppt, die nahe mit der Quagga-Muschel verwandt ist. Auch die Zebramuschel hat sich innerhalb weniger Jahre massiv in dem Gewässer verbreitet, sodass die Muscheln den Seegrund bis in rund fünfzehn Meter Wassertiefe dicht bedeckt haben. Eine der Folgen: verstopfte Rohre bei den Versorgungsanlagen.

Als sich überwinternde Vogelarten wie Tafelenten, Reiherenten und Blesshühner die Muscheln zu Eigen gemacht haben, nahm auch ihre Dichte ab. Heute ist die Zebramuschel im Bodensee nur eine Muschelart unter vielen.