Jedes Jahr geht im deutschsprachigen Raum eine Bombe los – ganz von alleine. Oft handelt es sich um kleinere, es gibt aber auch solche mit mehreren hundert Kilo Sprengstoff. 75 Jahre nach Kriegsende ist die Gefahr von Bomben-Explosionen noch lange nicht gebannt.

Wie viele Bomben noch in deutschen Böden stecken, lässt sich nicht genau sagen. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Cedrik Pelka ist bei einer Entschärfung vor Ort. Er hat selbst erlebt: Selbst wenn eine Bombe gefunden wird, heißt das noch nicht, dass sie sich auch entschärfen lässt.

"Eine Tiefe von acht Metern ist ungewöhnlich – kommt aber vor. Solche Bombenfunde stellen eine besondere Herausforderung dar."
Karl-Heinz Clemens, Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe

Die in Soest gefundene Bombe wiegt 500 Kilo. Sie liegt direkt neben einem Umspannwerk – was sie zu einer besonderen Herausforderung macht, erzählt Cedrik. Im Umkreis von 500 Metern wird evakuiert. Stunden später kommt dann die Meldung: Die Entschärfung wird abgebrochen, weil das Risiko zu hoch ist - sie muss gesprengt werden. Die Detonation wird bis in die Innenstadt zu spüren sein.

Zünder für Gefahr entscheidend

Wie gefährlich eine Bombe auch 75 Jahre nach Kriegsende noch ist, liegt am jeweiligen Zünder, erklärt Karl-Heinz Clemens vom Kampfmittelbesitigungsdienst Westfalen-Lippe. Zündet eine Bombe über einen Aufschlagzünder, schlägt ein Bolzen gegen den sogenannten Detonator, sobald die Bombe auf den Boden trifft, und der Sprengstoff explodiert. Bei unzähligen Bomben ist das aus verschiedenen Gründen damals nicht passiert – oft war es Glück.

"Liegt eine Bombe mit Aufschlagzünder mit der Spitze nach unten im Erdreich und es gibt in der Nähe schließlich Vibrationsarbeiten, beispielsweise mit einem Bagger, kann es sein, dass der Zünder ausgelöst wird."
Karl-Heinz Clemens, Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe

Liegt eine solche Bombe noch im Erdreich, kann es sein, dass sie durch Vibrationen verspätet doch noch zündet. Fährt etwa ein Bagger über den Bereich, könnte das dazu führen, dass der Zünder auf die Zündnadel, beziehungsweise auf den Schlagbolzen trifft und so die Zündung einleitet.

Verschiedene Zünder einer Bombe
© Deutschlandfunk Nova | Cedric Pelka
Verschiedene Zünder: Links der chemisch-mechanischer Langzeitzünder und rechts der Aufschlagzünder

Eine andere Art des Zünders ist ein chemisch-mechanischer Langzeitzünder. Der war dafür konzipiert, erst hochzugehen, wenn die Menschen nach einem Bombenhagel glaubten, wieder in Sicherheit zu sein, erklärt Karl-Heinz Clemens. Ein Zeitraum zwischen einer halben Stunde und einigen Stunden – doch manchmal ist sie eben gar nicht hochgegangen.

Der Zünder funktioniert über eine Glasampulle, in der sich Säure befindet. Wenn diese zerstört ist, frisst sie die Säure durch eine Zelluloid-Scheibe und gibt einen vorgespannten Schlagbolzen frei – dann kommt es zur Explosion.

Unfälle sind selten

Ein solcher Zünder ist auch in der Bombe in Soest. Bei einer Entschärfung oder einem Abtransport wäre die Gefahr viel zu groß, dass sie doch explodiert, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Cedrik Pelka. Aber: Es kommt nur selten zu Unfällen mit Blindgängern. Zuletzt starb ein Baggerfahrer 2014, als er auf eine Bombe traf und diese explodierte. Fußgänger können eine solche Detonation kaum bewirken, weil die Bomben zu tief liegen.

Zündsysteme werden labiler

Eine Gefahr besteht dennoch: Die Zündsysteme werden mit der Zeit labiler, erklärt Karl-Heinz Clemens. Es könnten sich über die Jahre etwa feine Risse entwickeln, durch die Wasser eintritt. Vermischt sich das mit Metall und Sprengstoff, könnten dadurch zündkräftige Stoffe entstehen.

Außerdem lassen sich viele Bomben auch durch die Rekonstruktion der Abwurforte nicht genau lokalisieren. Durch Aufschüttungen, Standortveränderungen oder aufgrund der Tiefe der Bomben kann man nicht einfach nach ihnen suchen. Sie liegen weiter im Erdreich und könnten irgendwann doch noch hochgehen.